Walter Gliem gab Amt als Ortsvorsteher von Obersuhl ab

Walter Gliem hat viel erreicht für Obersuhl: Das Foto links zeigt ihn an seinem Schreibtisch. Auch viel Papierkram muss er dort erledigen. Jetzt kann er aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr all das leisten, was von einem Ortsvorsteher erwartet wird. Foto:Dupont

Obersuhl. Früher brauchte der Baron Münchhausen gerade einmal eine Nacht, um seine politische Rede für die Bütt beim Obersuhler Karneval aufs Papier zu bringen. Heute muss Walter Gliem manchmal um die Worte ringen.

Die Folgen von zwei Schlaganfällen zwingen den Hans Dampf in allen Gassen, auf die Bremse zu treten. Deshalb hat der 64-Jährige vor Kurzem sein Amt als Ortsvorsteher von Obersuhl an Michael Kaufmann übergeben.

Mit wem würden Sie gerne einmal tauschen? "Mit einem Milliardär, um vielen bedürftigen Kindern eine Freude machen zu können." Das antwortete Gliem in einem Interview unserer Zeitung im Jahr 2006. Kurz vorher war er zum Ortsvorsteher gewählt worden. Und es gibt wohl kaum einen Satz, der so gut zusammenfasst, was diesem Mann am Herzen liegt.

Milliardär ist er nicht geworden. Und doch hat er sich mit seinen Mitteln dafür eingesetzt, dass diese Welt ein bisschen besser wird.

"Ich habe da mal ein Problem". Als Ortsvorsteher war Gliem viele Jahre die Anlaufstelle Nummer eins für die Bürger, die etwas auf dem Herzen hatten.

Wiederbelebt hat er die Aktion "Sauberhaftes Obersuhl." "Beim Müllsammeln und Dorfverschönern machen bis zu 70 Leute mit", freut sich das Obersuhler Urgestein. Auch die Zusammenarbeit mit den Vereinen war ihm wichtig. "Es ist schön, dass wir fast 50 Vereine haben. Aber das ist auch nicht immer einfach, zum Beispiel beim Abstimmen von Terminen."

Es bleibt viel zu tun in Obersuhl. Das weiß Gliem nur zu genau. Es fehlen aber gerade auch junge Leute, die mit anpacken.

Wirklich viel zu Hause war er in den vergangenen Jahren nicht. Bei vielen nichtpolitischen Veranstaltungen und Aktionen war auch seine Frau Angelika an seiner Seite. "Wir haben viele Strapazen auf uns genommen, aber auch viele unvergesslich schöne Augenblicke erlebt", sagt Gliem.

Besonders am Herzen liegt ihm der Obersuhler Weihnachtsmarkt. "In 30 Jahren haben wir 280 000 Euro an Reinerlös erzielt und für gute Zwecke gespendet", berichtet der 64-Jährige, der viele Jahre Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft war. Der Obersuhler Kindergarten und die Schulen wurden besonders bedacht. Spenden gab es auch für die Tschernobyl-Kinder.

Gliems Stärke ist zugleich aber auch seine Schwäche: "Er hat ein Helfersyndrom und kann nicht Nein sagen", bringt es seine Frau Angelika auf den Punkt.

Den Job als Ortsvorsteher hat er abgegeben. So ganz zurückziehen wird sich Gliem aber nicht. Im Ortsbeirat und in der Gemeindevertretung zum Beispiel will er noch zwei Jahre aktiv bleiben.

"Walter, Du kannst nicht die ganze Welt retten!", mahnt seine Frau Angelika. Walter Gliem nickt zustimmend. Aber versuchen wird er es trotzdem weiter. Das sieht man seinem Blick an. Nur vorneweg marschieren, wie er das nennt das kann er nicht mehr.

Von René Dupont

Quelle: HNA

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