Thomas Fehling weitere fünf Jahre im Amt

Analyse zur Bürgermeisterwahl: Bad Hersfelder sind müde

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Gebannte Blicke auf die Ergebnisse: Bürgermeister Thomas Fehling und SPD-Herausforderer Karsten Vollmar am Wahlabend im Multifunktionsraum der Stadtbibliothek, wo die Wahlergebnisse auf Großbildschirmen einliefen.

Bad Hersfeld. Mit 52,5 Prozent der abgegebenen Stimmen hat Thomas Fehling die Bürgermeisterwahl in Bad Hersfeld gewonnen. Das Wahlergebnis wirft einige Fragen auf.

Fehlings Herausforderer Karsten Vollmar von der SPD kam auf 43,2 Prozent, der unabhängige Michael Schmidt erreichte 4,3 Prozent. Nur 45,7 Prozent der Wahlberechtigten gingen an die Urne. 

Warum wählten so wenige?

Die miese Wahlbeteiligung mit der schönen Wetter zu erklären, das wäre zu lapidar. Leider liegt Bad Hersfeld in einem bedauerlichen Trend. Bei der Stichwahl um das Amt des Landrats haben sogar nur 32,4 Prozent abgestimmt. Deshalb stellt sich immer mehr die Frage, wie sinnvoll diese Direktwahlen überhaupt sind. Offenbar ist es der breiten Masse der Bevölkerung völlig egal, wer sie regiert. Letztlich wurde Thomas Fehling von weniger als 25 Prozent der Bad Hersfelder Bürger gewählt. Eine überwältigende Zustimmung sieht anders aus. Immerhin war der Abstand zu seinem SPD-Kontrahenten aber diesmal deutlicher als vor fünf Jahren, als nur 161 Stimmen den Unterschied machten. Diesmal sind es immerhin 962 Stimmen.

Haben die Kandidaten eine Mitschuld an dem geringen Wählerinteresse?

Thomas Fehling und Karsten Vollmar haben einen engagierten Wahlkampf geführt. Allerdings fehlten die wirklich zündenden, kontroversen Themen. Die Festspiele wollte niemand beschädigen, den Hessentag wollen alle nach Bad Hersfeld holen, Smart City ist für eine inhaltliche Debatte offenbar zu kompliziert und wenig griffig. Der Wahlkampf wurde zwar fair geführt, was grundsätzlich ja löblich ist, aber dadurch fehlte auch ein wenig der Zündstoff, der Wähler mobilisiert. Selbst Michael Schmidt verzichtete auf schrille Töne, wie wir sie von seinen AfD-Parteifreunden kennen.

Was hat Thomas Fehling richtig gemacht?

Der Bürgermeister hat voll auf den Amtsbonus gesetzt und alles, was in dieser Stadt in den letzten Jahren gut gelaufen ist zu seinen Erfolgen gezählt. Das ist legitim. Wie viel Anteil er persönlich an den neugeschaffenen Job – egal ob es nun etwa 2700 sind, wie Fehling behauptet, oder nur 1400 wie die Arbeitsagentur ermittelt hat – sei dahin gestellt. Außerdem hat Fehling, spät zwar, aber immerhin, die Bürgernähe entdeckt und sich im Wahlkampf als Rathauschef zum Anfassen präsentiert. Das kam an, mal sehen, ob diese Volkstümlichkeit anhält.

Was hat Karsten Vollmar falsch gemacht?

Wenn man ins Rathaus will, dann muss man den, der dort sitzt verdrängen. Vollmar hat es versäumt, Fehling seine Fehler und Versäumnisse immer wieder vorzuhalten, sondern lieber eigene Themen gesetzt, die freilich nicht besonders innovativ waren. Außerdem leidet Vollmar immer noch an dem SPD-Makel, die Boehmer-Ja-Sager und danach Blockierer zu sein. Dafür kann Vollmar nichts, wird aber dafür bestraft. Immerhin ist mit ihm eine neue Politikergeneration ins Stadtparlament eingezogen. Jetzt gilt es zu beweisen, dass das Angebot zur Zusammenarbeit ernst gemeint ist.

Kann sich Thomas Fehling nun entspannt zurücklehnen?

Ganz bestimmt nicht. Das entspräche aber auch nicht seinem Naturell, denn Fehling hat Ehrgeiz. Außerdem gilt es, große Themen anzupacken. Die Festspiel müssen in eine neue Rechts- und Organisationsform überführt werden, der Hessentag muss vorbereitet werden, Der Haushalt saniert und das Stadtmarketing muss neu aufgestellt werden. Alles Großbaustellen. Bleibt zudem abzuwarten, wie lange die knappe Fehling-Mehrheit im Stadtparlament steht. Im Wahlkampf hielt der Schulterschluss, geeint durch das gemeinsame Ziel, einen SPD-Bürgermeister zu verhindern. Aber jetzt geht es ans Eingemachte. Einfach wird es für Fehling wohl nicht werden.

Quelle: HNA

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