Krisen gemeistert

Quartett aus Breitenbach trifft sich seit 50 Jahren zum Stammtisch

Seit 50 Jahren pflegen sie ihren Stammtisch und halten fest zusammen: (von links) Manfred Strobel, Adolf Siebald, Werner Grebe und Heinrich Fey treffen sich fast jeden Freitag im Breitenbacher Hof. Foto: Hefter

Breitenbach. Freitagabends haben Heinrich Fey, Werner Grebe, Adolf Siebald und Manfred Strobel einen festen Termin. Dann nämlich treffen sie sich im Breitenbacher Hof. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, in diesem Fall aber schon.

Der Stammtisch des Männerquartettes besteht seit genau 50 Jahren, über 2000- mal haben sie sich in der Zeit getroffen. „Wir wünschen uns, dass es mit dem Stammtisch so lange wie möglich weitergeht“, meinte Manfred Strobel.

Alle vier sind Anfang 70 und echte Breitenbacher. Werner Grebe, Heinrich Fey und Adolf Siebald wurden 1949 gemeinsam eingeschult. Die Idee, sich regelmäßig im Gasthaus zu treffen, kam von Grebe und Fey im Sommer 1964. Siebald stieß bald darauf dazu und brachte seinen zwei Jahre älteren Cousin Strobel mit. Damit war das Quartett im September 1964 komplett. Für alle vier gehörte der gemeinsame Wochenausklang mit Klönen, Skat und so manchem Schoppen seitdem fest zu ihrem Leben. „Ein Glas Bier kostete damals 50 oder 60 Pfennig“, erinnerten sie sich zurück.

Gemeinsam essen zu gehen steht auch heute noch auf dem Programm der Breitenbacher. In den ersten Jahren gab es meistens Bratwurst oder eine Portion Gehacktes. „Ahle Wurscht hatten wir selbst zu Hause“, berichtete Adolf Siebald. Wer Geburtstag hatte, spendierte Rumpsteak für alle.

Am Ablauf der Abende hat sich im Laufe der Zeit wenig geändert, auch wenn alle älter und ruhiger geworden sind. „Essen ist jetzt wichtiger als zu trinken“, erzählte Werner Grebe und schmunzelte.

Adolf Siebald blieb dem Stammtisch treu, als er während der Woche in Frankfurt arbeitete und nur am Wochenende nach Breitenbach kam. Sogar als die drei anderen Stammtischbrüder heirateten, wurde die Tradition fortgesetzt. „Der Stammtisch war schließlich schon vorher da“, sagten sie. Ihre Ehefrauen trugen es mit Fassung, am Freitagabend allein zu sein.

Auch in Krisensituationen halten die Männer fest zusammen. Das zeigte sich, als Heinrich Fey vor einigen Jahren einen Schlaganfall erlitt und seither gehandicapt ist. Damals wurde der Stammtisch kurzerhand einige Male in die Reha-Klinik verlegt, um ihm Mut zu machen. Und weil ein Würfelbecher für Fey besser zu handhaben ist, wird am Stammtisch jetzt statt Skat Knobeln gespielt.

Zum ersten Mal gemeinsam mit den Ehefrauen verreist ist das Quartett, als der Stammtisch 20 Jahre alt wurde. Seither ging es alle fünf Jahre auf Tour, beispielsweise an die Mosel oder nach Südtirol. 1994 fuhren die Männer gemeinsam mit den Gastwirten Gisela und Heinz Döttger in die Schweiz. Von dieser Reise stammt Stammtisch-Maskottchen „Whympy“: Ein Plüsch-Murmeltier, benannt nach Edward Whymper, einem der Erstbesteiger des Matterhorns.

Zwischen der Familie Döttger und dem Quartett hat sich im Laufe der Jahre eine herzliche Freundschaft entwickelt. Als die Döttgers Silberhochzeit hatten und der Stammtisch zeitgleich 25 Jahre alt wurde, gab es dazu einen Motivwagen beim Kirmesfestzug. Zum 50-jährigen Geburtstag des Stammtisches wird der Breitenbacher Hof dem Quartett inklusive Ehefrauen Ende September ein Essen ausrichten. Im Oktober geht es dann wieder auf Reisen: Dieses Mal sind Dresden und das Elbsandsteingebirge das Ziel.

Von Susanne Hefter

Quelle: HNA

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