Viele kleine Diebstähle in Solz: Mann unter Verdacht

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Ein beschauliches Dorf: Den Frieden stören nicht enden wollende kleine Diebstähle, die einem arbeitslosen Mann ohne Einkommen zugeschrieben werden.

Solz. Solz ist ein idyllisches Dorf, bekannt für tolle Feste und eine gute Dorfgemeinschaft. Nun aber geht die Angst um. Schlüssel und Geldbörsen, Fleisch aus Gefriertruhen, selbst die Alte Wurst vom Holzbrett in der Küche des Pfarrhauses - alles verschwindet.

Im Kindergarten sind die Würste fürs Grillfest im Kühlschrank nicht mehr sicher, Holz vor den Häusern und Briketts verflüchtigen sich.

Bekannt ist auch der Mann, der im Verdacht steht, für diese Diebstähle verantwortlich zu sein. Ein Solzer Junge, der hin und wieder auf dem Fußballplatz für die örtliche Mannschaft antritt und am Tag der Heimatpflege mithilft. Man ist sich sicher, dass er der Übeltäter ist. Er wurde auf frischer Tat ertappt, gefilmt und angezeigt - mehrfach. „Wir sind ratlos, was zu tun ist“, sagen nun Ortsvorsteher Georg Reuß und Pfarrer Dück. Vonseiten des Bebraer Ordnungsamtes tue sich ebensowenig wie von der Polizei, Anzeigen lägen bei der Staatsanwaltschaft, ohne dass etwas passiere.

Sprung aus dem Fenster

Das Faß zum Überlaufen brachte der jüngste Fall, als sich der Mann, Mitte Dreißig, in einer zu diesem Zeitpunkt unbewohnten Wohnung eingerichtet hatte. Auf dem Tisch stand ein Teller mit Essen, als er erwischt wurde. Ortsvorsteher Reuß erzählt, mehrere Zeugen hätten gesehen, wie er aus dem Fenster sprang.

Viele Solzer haben schon versucht, dem Mann zu helfen, hätten ihm Lebensmittel oder Holz angeboten, aber das nehme er nicht an. Sie haben dafür gesorgt, dass er einen Ausweis und eine Krankenversicherung bekommen hat, haben ihm Jobs besorgt. Doch auch da ist er beim Diebstahl gefilmt worden und rausgeflogen. Was er braucht, klaut er sich offenbar zusammen, tut aber sonst keinem etwas zuleide. Mehrfach wurden Anläufe genommen, für ihn Sozialhilfe zu beantragen, doch auch das scheiterte, erklärt Reuß.

Mittlerweile sind viele Solzer, auch die Freunde des Mannes, bestohlen worden. Sie haben Angst, ihm plötzlich im eigenen Haus zu begegnen, womöglich nachts. Zumal er sich geschickt in den Besitz von allerlei Schlüsseln gebracht zu haben scheint, etwa vom Pfarrhaus und vom Kindergarten. Fenster und Türen werden nun in Solz verriegelt. Misstrauen ist eingekehrt. Der mutmaßliche Dieb haust in einem verwahrlosten Haus am Ortsrand, ohne Strom und Wasser.

Furcht vor Eskalation

„Er bringt alles durcheinander“, sagt der Ortsvorsteher, der sich selbst ebenso wie der Pfarrer und andere Solzer vielfach gekümmert hat. Beide sind sich einig, dass es so nicht weitergehen kann, das Maß sei voll. „Die Bürger wollen nicht mehr.“

Ist der Mann krank? Braucht er Betreuung? Wann wird er vor Gericht zur Verantwortung gezogen? Das Problem spitze sich zu, erklärt Reuß. So gibt es Überlegungen, ihn aus dem Sportverein auszuschließen. Man habe alles versucht und sei doch wieder bestohlen worden.

Der Ortsvorsteher hat Sorge, dass die Situation eskaliert. „Wer kann uns helfen?“, fragen er und Pfarrer Dück. Wegsperren sei ebensowenig eine Lösung wie schweigen, sagt der Pfarrer. Er sei den Bürgern gegenüber verpflichtet, sagt Reuß. (ank)

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Quelle: HNA

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