Fundsachen wurden zugunsten der Stadt versteigert

Versteigerung im Rotenburger Rathaus 

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Neues Rad: Leandro Akdemir freut sich über seinen Kauf.

Rotenburg. „Man geht ja nicht davon aus, einen Neuwagen zu finden, aber bisher ist die Auswahl noch nicht so prickelnd“, sagt Philipp Grenzebach. Der Rotenburger steht vor einer Reihe Fahrrädern im Sitzungssaal des Rathauses.

In der Hand hält er sein Smartphone und macht ein Foto von einem der Räder. Das schickt er an seine Freundin, für die er zur Fundsachenversteigerung gekommen ist: Philipp Grenzebach soll ihr ein Fahrrad kaufen.

Vor der Versteigerung können die Fundsachen auf einem langen Tisch begutachtet werden. Darauf liegen unter anderem ein Schlitten, eine Bohrmaschine, Krücken, Taschen, Schmuck und Bücher. Rechts, vor der Fensterfront, stehen die Räder.

Waldemar Beckel ist extra aus Kirchheim nach Rotenburg gekommen. Er hat in der Zeitung von der Auktion gelesen. „Ich wollte wissen, was es so gibt“, sagt er. Nun schlägt er kräftig zu: Eine Kette für die Tochter zum Geburtstag, einen City-Roller für seinen Neffen, eine Bohrmaschinen für die Baustelle zu Hause, ein Handy, um Ersatzteile für das eigene Mobiltelefon zu haben, zwei Fahrradreifen und sieben Räder.

Um ein rot-schwarzes Fahrrad bietet er mit dem neunjährigen Leandro Akdemir um die Wette. Einer nach dem anderen hebt die Hand, bis es heißt: 16 Euro zum ersten, 16 Euro zum zweiten, 16 Euro zum dritten. Akdemir hat gewonnen. Das Fahrrad hat er sich gleich am Anfang ausgesucht und gehofft, dass er es bekommt. Nun freut er sich. Auch einen Kuschelbär ersteigert der Neunjährige. „Der war so schön und sah so knuddelig aus.“

Einnahmen für die Stadt

Was bei der Versteigerung verdient wird, sind Einnahmen für die Stadt, sagt Katharina Peters. Sie führt bei der Auktion die Kasse. In Rotenburg findet alle zwei Jahre eine Fundsachenversteigerung statt. Vorher gebe es nicht genug, sagt Susanne Scharringhausen, die die Artikel versteigert. Das liegt daran, dass Finder die Fundsachen nach einem halben Jahr einfordern können, wenn sie niemand abgeholt hat. Bei schönen Stücken werde dies meist gemacht.

Ersteigert: Karl-Heinz Rekelkamm bezahlt bei Katharina Peters seine neue Tasche.

Zudem können man manche Gegenstände wie ein altes Diabetikerset nicht versteigern. Gut erhaltene Fundstücke, die nicht versteigert wurden, sind beim nächsten Mal wieder im Angebot. Schmuck geht zum Juwelier. Der Rest wird verschrottet.

Susanne Scharringhausen hält eine Uhr in die Höhe: Niemand will sie kaufen. Da meldet sich Karl-Heinz Rekelkamm: „Wenn sie keiner haben will, nehme ich sie“, sagt er. Man solle schließlich jeden Tag eine gute Tat vollbringen. Später kauft er noch eine Tasche. Susanne Scharringhausen will ihm noch Schuhe verkaufen, die lehnt er ab. Sie sind zu klein.

Philipp Grenzebach hat schließlich ein weinrotes Damenrad ersteigert. Seine Freundin hatte dem Kauf via Smartphone zugestimmt.

Von Lara Sasse

Quelle: HNA

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