Wirbelsäulen-OPs am Kreiskrankenhaus: Neurochirurg und Orthopäde operieren gemeinsam

Versteifung gegen den Schmerz

Michael Kuhr

Rotenburg. Wie ein Stoßdämpfer sitzen die 23 Bandscheiben zwischen den einzelnen Wirbelkörpern der Wirbelsäule. Wenn sie mit zunehmendem Alter und Belastung an Elastizität verlieren und sich verformen, können sie auf Nerven drücken, und das tut richtig weh.

Helfen Krankengymnastik, Medikamente und manuelle Therapie nicht und treten Lähmungen in den Beinen oder Armen auf, kann der Patient eine Operation in Erwägung ziehen.

Wenn es sich um chronische therapieresistente Schmerzen handelt, die vom Lendenwirbelbereich ausgehen, wenn bereits mehrfach operiert wurde oder die Wirbelsäule instabil ist und der Patient erhebliche Beschwerden, neurologische und motorische Ausfallerscheinungen hat, kann eine Stabilisierungs OP infrage kommen.

Sie wird seit November auch am Rotenburger Kreiskrankenhaus angeboten. Die Versteifung (Fusion) der Wirbelsäule erfolgt mithilfe einer Schlüsselloch-OP. Gemeinsam operieren der Neurochirurg Dr. Michael Kuhr und der Facharzt für Orthopädie, Sportmedizin und Chirotherapie, Dr. Stefan Kirschbaum. Dabei hat der Neurochirurg besonders die Nerven im Blick, der Orthopäde die Funktion und Statik der Wirbelsäule.

Bei der Stabilisierung wird die natürliche Versteifung nachgeahmt. Denn auch der Körper selbst baut eine geschädigte Bandscheibe ab und ersetzt sie durch eine Art Knochenbrücke, wie Stefan Kirschbaum erklärt. Ganz ähnlich, aber schneller gehe es mit der Versteifungs-OP.

Hier wird die Bandscheibe zwischen den Wirbelkörpern zunächst vom Neurochirurgen entfernt und eine Art Platzhalter eingesetzt. Dieser wird dann vom Orthopäden mit Schrauben und Stäben fixiert, um die Stabilität der Wirbelsäule wieder herzustellen. Anschließend produziert der Körper Knochen, und die Wirbelkörper wachsen zusammen.

„Mit der Kooperation von Neurochirurg und Orthopäde können wir in Rotenburg an die Erfolge der großen Wirbelsäulenzentren anknüpfen und bislang nicht mögliche Verfahren verfeinert und minimalinvasiv anbieten“, erklären die beiden Mediziner.

Gemeinsam bereiten sie die Fälle vor, stellen die Diagnose und kümmern sich um die Nachbehandlung, wobei die Schmerzbehandlung mit der Anästhesie am KKH abgestimmt wird.

Die Patienten seien nach der OP meistens beschwerdefrei, sagt Kirschbaum. Doch es brauche etwa ein halbes Jahr, bis die Bandscheibe verknöchert sei. Da es sich um einen sensiblen Bereich ganz in der Nähe des „Starkstromkabels“ handele, arbeite man zu zweit. Risiken seien zudem Blutergüsse und Infektionen. Die Bewegungseinschränkung im Anschluss ist laut Kuhr minimal.

Die OP dauert etwa zwei Stunden. Die meisten Patienten sind zwischen 50 und 70 Jahren alt, doch auch jüngere sind betroffen. Die jüngste Patientin bisher war 35 Jahre alt.

Dr. Stefan Kirschbaum (50) hat in Tübingen bei dem renommierten Wirbelsäulenchirurgen Prof. Johannes Giehl seine Facharztausbildung absolviert. Zusammen mit Dr. Markus Schramm operiert er jährlich über 1000 Patienten an allen Gelenken. Der Neurochirurg Dr. Michael Kuhr (50) war von 1995 bis 2002 im Klinikum Fulda und bis 2004 in der Praxis von Dr. Samir Al-Hami tätig. Kuhr operiert pro Jahr 500 Patienten, vorwiegend an den Bandscheiben.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Quelle: HNA

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