Der Ur-Urenkel ist heute Chef: Schreinerei ist seit 150 Jahren Familienunternehmen

Die Familie des Firmengründers: rechts Wilhelm Schlein, in der Mitte sein Sohn und Nachfolger Peter.

Heinebach. Seit 150 Jahren gibt es die Schreinerei Schlein in Heinebach. Anlass für einen Blick auf die wechselvolle Geschichte des Betriebes. Nur eines hat sich in der Schreinerei nie geändert. Chef ist immer ein Schlein. Mittlerweile lenkt der Ur-Urenkel die Geschicke.

Der siebenjährige Felix ist gern in der Werkstatt, und er hat seinen Großeltern erzählt, dass er Schreinermeister werden will. Es scheint also möglich, dass sich wiederholt, was in der Heinebacher Familie Schlein in den vergangenen anderthalb Jahrhunderten schon vier Mal passiert ist: dass ein Vater das Geschick des Betriebes in die Hände seines Sohnes legt - nicht, ohne weiter mitzuarbeiten, Ratschläge zu geben, sich einzumischen und dem neuen Chef vielleicht auch mal auf die Nerven zu fallen.

Heute ist Torsten Schlein der Chef, Ururenkel des Firmengründers Wilhelm, und zusammen mit seinem Vater ist es ihm gelungen, das Unternehmen weiterzuentwickeln und auf neue Bedingungen einzustellen. Die Zeiten, als in Heinebach reihenweise Mehrfamilienhäuser gebaut wurden, die Schleins mit Türen und Fenstern ausstatteten, sind vorbei. Überhaupt sind Fensterrahmen aus Holz heute weniger gefragt, weil sie teuer sind und gepflegt werden wollen. Also verbauen Schleins auch Kunststofffenster und erledigen Tapezier- und Malerarbeiten beim Innenausbau gleich mit. Aufträge kommen genug, und Torstens Vater Otto freut sich, dass auch Stammkunden von ganz früher anrufen und den Sohn sprechen wollen. Dass Schreinermeister Schlein schon vor 150 Jahren in Heinebach aktiv war, wissen die Schleins aus einem alten Haushaltsbuch.

Foto von heute: Chef Torsten und sein Vater Otto in der Werkstatt. Foto: Meyer

Wilhelm Södler, der sich mit Lokalgeschichte befasst und alte Schriften lesen kann, fand darin den Nachweis, dass Wilhelm Schlein am 23. August 1864 für den Hausbesitzer Johannes Semmler am „Haus Heckmann“ Schreinerarbeiten erledigte. Am 24. August wurde Schlein dafür bar bezahlt. Fest steht, dass Wilhelm Schlein 1864 das Grundstück erwarb, das „Hinter der Zehntscheuer“ hieß und heute an das Schreinerei-Gelände angrenzt.

Möglich, dass Wilhelm vorher schon in Sterkelshausen als Schreiner aktiv war. Belegt ist auch, dass er schon 1879 Särge fertigte.

Otto Schlein weiß, dass Wilhelms Sohn Peter Anfang des 20. Jahrhunderts zwei Kühe besaß, außerdem Maschinen zum Drechseln, Schroten und Holz Schneiden. Er galt als reich. Erst Torstens Opa Heinrich gab, aus dem Krieg heimgekehrt, die Landwirtschaft ganz auf und überließ sie seinem Bruder, um sich nur der Schreinerei zu widmen. 1960 baute er die Werkstatt an ihrem heutigen Standort. Otto Schlein erinnert sich an einen Großauftrag: 40 Fenster galt es für den Hühnerstall von Norbert Häde zu bauen. „Das war ein Haufen Arbeit. Die Maschinen waren noch nicht so wie heute.“

Von Achim Meyer 

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Quelle: HNA

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