Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag in die Ronshäuser Wehrkirche blicken

Unter dem Sternenhimmel

Kennt die Geschichte(n) des Gotteshauses: Ulrike Bauer-Both wird am Sonntag die Besucher durch die imposante Ronshäuser Kirche führen. Fotos: Meyer

Ronshausen. Pfarrer Johann Henrich Ross soll nur knapp mit dem Leben davongekommen sein. Als er im Jahr 1715 von der Kanzel der Ronshäuser Kirche aus predigte, hat sich angeblich ein Stein aus der maroden Mauer gelöst und ihn fast erschlagen. Ross hat daraufhin eine Sanierung eingeleitet, der die Kirche weitgehend ihr heutiges Erscheinungsbild verdankt. Am Sonntag, 9. September, bildet das Ronshäuser Gotteshaus eines der Zentren des landesweiten „Tages des offenen Denkmals“.

Schutz durch dicke Mauern

Lehrerin Ulrike Bauer-Both liebt die kleine Kirche in ihrem Ort und weiß viel über das Gebäude. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde der quadratische Kirchturm gebaut, ob mit oder ohne Kirchenschiff, ist nicht sicher. Es war eine so genannte Wehrkirche, erklärt Bauer-Both, ein Gebäude, dessen dicke Mauern und dessen Status als Gotteshaus den Ronshäusern Schutz bieten sollte.

Als Pfarrer Ross ins Amt kam, bot das Haus ein schlechtes Bild. Der Pfarrer ließ das Schiff abreißen und neu aufbauen. Es entstand eine zweite Empore, die von innen erreichbar war. Ursprünglich, erklärt Bauer-Both, war die Empore nur über eine Außentreppe zugänglich. Die Türöffnung von damals füllt heute ein Kirchenfenster aus.

Über das neu gemauerte Schiff setzten die Handwerker ein Dach mit Holztonnendecke. Wie eine gigantische, in der Mitte geteilte Tonne überdeckt es das Gebäude. Ross beauftragte einen Maler, der einen ungewöhnlich farbenfrohen Sternenhimmel mit Wölkchen und musizierenden Engeln an die Decke malte. Bauer-Both erklärt die derbe Malerei so: Das zurückliegende Jahrhundert habe den Menschen Krieg, Pes und schlechte Ernten gebracht. „Ich kann mir vorstellen, dass Ross den Menschen Gott zeigen wollte, positive Erfahrungen vermitteln und die Stimmung aufbessern.“

Die Holzwände der Emporen zieren ebenso farbenfrohe Porträts der Apostel Paulus und Petrus und der Evangelisten Lukas, Markus, Matthäus und Johannes. Bilder zeigen Adam und Eva mit den verbotenen Früchten, Kain und Abel und Jesus. Die Farbenpracht in einer protestantischen Kirche, erklärt Bauer-Both, habe immer wieder Unmut erregt. Aber gegen Versuche, sie zu übermalen, hätten die Bilder sich gewehrt: Das Holz nahm die weiße Farbe nicht so an, wie zwei Jahrhunderte zuvor die bunte. 1953 konnten die Malereien restauriert werden.

Ulrike Bauer-Both wird um 14.30 Uhr durch die Ronshäuser Kirche führen. Der Eintritt ist frei. (zmy) HINTERGRUND

Quelle: HNA

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