Vorwurf gegen Arbeitsvermittlerin beschäftigt Schöffengericht in Bad Hersfeld

Zu Unrecht abkassiert?

Bad Hersfeld. Eine 55 Jahre alte private Arbeitsvermittlerin aus der Nähe von Ilmenau, die auch in Bad Hersfeld ein Büro führte, muss sich seit Dienstag vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld unter der Leitung von Richter Michael Krusche wegen Betrugs verantworten. Wegen Beihilfe zum Betrug mit auf der Anklagebank sitzen der Geschäftsstellenleiter und der Disponent eines Bad Hersfelder Personaldienstleisters.

Den dreien wird vorgeworfen, in den Jahren 2009 bis 2011 in insgesamt 17 Fällen Vermittlungsgutscheine bei mehreren Agenturen für Arbeit unrechtmäßig eingefordert zu haben. Solche Vermittlungsgutscheine haben einen Wert von bis zu 2000 Euro. Wenn ein Vermittler dafür sorgt, dass ein Kunde in ein festes Arbeitsverhältnis geführt wird, erhält er nach sechs Wochen 1000 Euro. Wenn der Job nach sechs Monaten noch besteht, gibt es von der Agentur für Arbeit noch einmal eine Zahlungsanweisung in Höhe von 1000 Euro.

Bei den 17 jetzt vor dem Amtsgericht behandelten Fällen soll die private Arbeitsvermittlerin jedoch nicht tätig geworden sein. Die Kunden hätten sich vielmehr nach vorherigen Gesprächen mit Arbeitsvermittlern der Arbeitsagenturen direkt beim Personaldienstleister um einen Job beworben.

Sieben als Zeugen geladene ehemalige Mitarbeiter des Personaldienstleisters bestätigten dies. Den Aufforderungen des Geschäftsstellenleiters oder des Disponenten, sich um die Vermittlungsgutscheine zu kümmern, seien alle Befragten nachgekommen, ohne weiter darüber nachzudenken.

Einen Kontakt zu der privaten Arbeitsvermittlerin wiesen alle Zeugen weit von sich. Die private Arbeitsvermittlerin blieb jedoch bei ihrer Version, dass sie die 17 betroffenen Personen alle selbst zu einem Job geführt habe. Die Abschriften der einzelnen Vermittlungsverträge lägen bei ihren Unterlagen. Die Originale, die sich demnach bei der Agentur für Arbeit befinden müssten, sollen während des nächsten Verhandlungstages vorgelegt werden.

Zwei Mitarbeiter der Agentur für Arbeit in Bad Hersfeld waren ebenfalls als Zeugen geladen. Sie bestätigten, dass ihnen die Vielzahl der vorgelegten Vermittlungsgutscheine durch die private Arbeitsvermittlerin doch recht seltsam vorgekommen seien.

In einem Fall soll die private Arbeitsvermittlerin zudem einen Gutschein eingelöst haben, der eigentlich einer Berufskollegin zugestanden hätte. Dieser Vermittlerin sei aber von den mitangeklagten Personaldienstleistern mitgeteilt worden, dass ihre Kundin keinen Job bei ihnen erhalten hätte. Jedoch hatte die Frau sehr wohl eine Anstellung bei ihnen erhalten.

Der zweite Termin vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld findet am Freitag, 26. April, ab 9 Uhr statt.

Von Mario Reymond

Quelle: HNA

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