Gerichtsverfahren nach Zusammenstoß von Kleinlaster mit Radfahrerin eingestellt

Unfall war unvermeidlich

Bad Hersfeld. Drei Tage lang bangten die Eltern um das Leben ihrer Tochter, zwei Wochen lag die damals Zehnjährige auf der Intensivstation. Schwerste Verletzungen an Kopf und Hand sowie an Milz und Niere hatte das Mädchen erlitten, als es am 4. Juni 2011 auf der Heringer Hauptstraße mit seinem Fahrrad von einem Kleinlaster angefahren wurde.

Als in dieser Woche das Gerichtsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den Unfallfahrer, einen 29-jährigen Kraftfahrer aus Gotha, beendet war, bot sich im alten Sitzungssaal des Bad Hersfelder Amtsgerichts ein ungewohntes Bild: Der Thüringer ging auf die Familie aus Heringen zu, man wechselte ein paar freundliche Worte und wünschte sich alles Gute. Zum Abschied strich der Gothaer, der selbst eine dreijährige Tochter hat, dem Mädchen sanft über die Schulter.

Denn während der Beweisaufnahme vor Strafrichterin Silvia Reidt hatte sich bestätigt: Nicht nur die Kollision von Laster und Mountainbike war in der Situation unvermeidlich gewesen, sondern es sah auch so aus, als hätte selbst ein aufmerksamer Autofahrer das Fehlverhalten der Radlerin, die unversehens vom Gehweg auf die Fahrbahn gewechselt war, nicht vorausahnen können.

Passiert war Folgendes: Das Mädchen war auf dem Bürgersteig unterwegs, der an einer Stelle vom Treppenaufgang zu einer Pizzeria nahezu blockiert wurde. Als Fußgänger konnte man die inzwischen umgebaute Engstelle gerade noch passieren, als Radfahrer hätte man absteigen müssen.

Auf dem Weg zum Bäcker

Das machen aber die wenigsten, wie auch die Mutter der Zehnjährigen einräumte. Stattdessen wechseln Radfahrer für einige Meter auf die Straße. So auch das Mädchen, das zur Unfallzeit auf dem Weg zum Brötchenholen war.

Der sich mit etwas weniger als den erlaubten 50 Stundenkilometern nähernde Paketdienst-Fahrer hatte die Radlerin zwar wahrgenommen, hatte seine Aufmerksamkeit dann jedoch einem entgegenkommenden Motorrad zugewandt.

Einer Augenzeugin war das Mädchen zunächst aufgefallen, weil es keinen Helm trug, dann auch wegen seiner sorglos-wackeligen Fahrweise. „Ohne links oder rechts zu gucken, ist es dann auf die Straße gefahren, da krachte es auch schon“, erinnerte sich die Zeugin.

Wegen geringer Schuld des Angeklagten stellte Richterin Reidt das Verfahren ein. Eine Geldauflage von 300 Euro muss der Gothaer an den Verein Medi-Kids bezahlen.

Vergleichsweise gut ausgegangen ist der Unfall auch für das Opfer: An den Zusammenstoß erinnerte es sich nicht, die Wunden sind größtenteils verheilt, Spätfolgen sind derzeit nicht erkennbar.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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