Waffen-Sachverständigen kommt wieder

Mordprozess Bebra: Ein Unfall ist nicht unmöglich

Bebra/Fulda. Den Gutachten zur Tatwaffe dürfte im Mordprozess von Bebra eine zentrale Rolle zukommen. Beim ersten Auftritt der Sachverständigen des Landeskriminalamts vor dem Landgericht Fulda am Mittwochnachmittag kam allerdings wenig Aussagekräftiges heraus.

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Die Sachverständigen können womöglich Aufschluss geben, ob es tatsächlich ein Unfall war, bei dem eine 67-jährige Frau aus Bebra im Februar durch einen Schuss aus dem Jagdgewehr ihres Mannes getötet wurde. Diese Version vertritt der 69-jährige Angeklagte. Die Staatsanwaltschaft glaubt hingegen, dass der Mann seiner schlafenden Frau in den Kopf geschossen hat.

Das chemische Gutachten brachte keine Klarheit. Die Schmauchspuren könnten nicht eindeutig interpretiert werden. Sie deuten nur darauf hin, dass der Schuss aus weniger als zwei Metern Abstand abgegeben wurde, sagte die Chemikerin des LKA.

Spezielle Gewehrbauart

Ihr auf Waffen spezialisierter Kollege erläuterte dem Gericht die spezielle Funktionsweise der Tatwaffe, einer Repetierbüchse der Marke Blaser. Im Unterschied zu anderen Gewehren hat dieses keine Sicherung, sondern der Schlagbolzen wird unmittelbar vor dem Schuss gespannt. Dafür muss der Schütze mit dem Daumen einen Schieber hochdrücken und einrasten. Sieben Kilogramm Druck sind dafür notwendig.

Aus Versehen scharf gemacht

Bis dahin könne sich kein Schuss lösen, selbst wenn die Waffe durchgeladen ist, erklärte der Sachverständige. Darauf hob Verteidiger Christopher Posch ab: Er wollte vom Gutachter wissen, ob er ausschließen könne, dass der Angeklagte die Waffe beim Stolpern aus Versehen scharf gemacht habe, sodass sich der tödliche Schuss lösen konnte. „Wenn Sie die Frage so stellen, kann ich es nicht ausschließen“, sagte der Gutachter.

Er erinnerte aber daran, dass Posch selbst beim Ortstermin in Bebra vier Versuche gebraucht habe, um die Waffe zu spannen: „Ganz so einfach ist das nicht.“ Posch erwiderte, im Unterschied zu ihm sei sein Mandant mit der Waffe vertraut – obwohl der Verteidiger ja von einer reflexhaften Handlung seines Mandanten ausgeht.

Da dem Waffensachverständigen keine Bilder des Tatorts vorlagen, um die Schussrichtung beurteilen zu können, wird er ein weiteres Mal vor Gericht erscheinen.

Von Marcus Janz

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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