Zweifel an Entscheidungsgrundlage des Aufsichtsrats

TÜV-Prüfraum Bebra: Aus wegen falscher Zahlen?

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Hat selbst schon ihren Führerschein, setzt sich aber für die anderen ein: JGS-Schulsprecherin Katharina Degenhardt.

Hersfeld-Rotenburg. Wirtschaftliche Gründe führte der TÜV ins Feld, als er den Raum für die schriftlichen Fahrprüfungen am Bebraer Bahnhof Anfang  des Jahres aufgab. Aus zwei unserer Zeitung vorliegenden Schreiben geht aber hervor, dass der Aufsichtsrat offenbar von falschen Zahlen ausgegangen ist.

Der TÜV spare 400 Euro im Monat, hatte Mitte Dezember das Hessische Verkehrsministerium unserer Zeitung mitgeteilt. Auch Uwe Herrmann, Leiter der Technischen Prüfstelle der TÜH in Darmstadt, hatte erklärt, man spare 400 Euro pro Monat durch die Schließung des Raumes in Bebra, also 4800 Euro im Jahr. Zwei Schreiben lassen nun aber keinen Zweifel daran, dass der Aufsichtsrat des TÜV Hessen von weit höheren Kosten ausgegangen ist, nämlich von 15 000 Euro pro Jahr.

So heißt es in einem Schriftstück des Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Matthias Rapp an Landrat Dr. Michael Koch, der TÜV Hessen verzeichne seit Jahren rückläufige Zahlen der Fahrerlaubnis-Prüfungen, die Technische Prüfstelle sei stark defizitär und deshalb zur Kostensenkung gezwungen. Der Einspareffekt allein für die Stelle Bebra belaufe sich auf 15 000 Euro. Auch der Grüne Staatssekretär Mathias Samson, Mitglied im TÜV Aufsichtsrat, schreibt im Dezember, für das Jahr 2015 rechne man mit einem Minus von rund 15 000 Euro. Man müsse dem zunehmenden Kostendruck begegnen. Wie Rapp weist auch Samson darauf hin, dass die theoretische Fahrprüfung in Bad Hersfeld abgelegt werden könne und damit eine Flächendeckung gegeben sei. Gegen die Schließung des Prüfraums hatten die Fahrlehrer Aribert Kirch (Alheim/Rotenburg/Bebra) und Markus Mihm (Bad Hersfeld) protestiert, die fast 30 Fahrlehrer aus dem gesamten Kreis Hersfeld-Rotenburg hinter sich wissen.

Hintergrund: Raum kostete 150 Euro Miete

Der Prüfungsraum in Bebra war dem TÜV von der Stadt Bebra für 150 Euro Miete monatlich inklusive Nebenkosten überlassen worden. An 90 Prüfterminen pro Jahr haben 900 Fahrschüler bis Ende 2015 je 21 Euro Gebühr gezahlt. Das ergibt 18 900 Euro Einnahme pro Jahr gegenüber 1800 Euro Miete. Der Prüfer war anschließend sowieso zur praktischen Prüfung in Bebra und ist dies auch weiterhin. Die Gebühr für die praktische Fahrprüfung beträgt je 85 Euro. Bei jährlich 900 Prüflingen sind das über 75 000 Euro. Der TÜV ist in Hessen von der TÜH (Staatliche Technische Überwachung) mit der Abnahme der Fahrprüfungen beauftragt. (ank)

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