Trotz einstweiliger Verfügung

Trotz einstweiliger Verfügung: Amazon-Doku darf weiter gezeigt werden

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Amazon in Bad Hersfeld: Durch eine Reportage ins Rampenlicht geraten. Diese darf weiter in der Mediathek gezeigt werden - trotz einstweiliger Verfügung.

Frankfurt/Kassel. Das Medienmagazin meedia berichtete, dass die ARD-Reportage „Ausgeliefert“ über Amazon-Leiharbeiter wegen „Schmähkritik“ nicht mehr gezeigt werden dürfe. Trotzdem ist der Film auch weiterhin in der ARD-Mediathek zu sehen.

Tatsächlich hat das Leipziger Job-Touristikunternehmen CoCo eine einstweilige Verfügung gegenüber dem Hessischen Rundfunk erwirkt. Dabei handele es sich um einen Satz in einer E-Mail, die in den Film eingeblendet wurde, sagt Tobias Häuser, Pressesprecher des HR. Daraufhin sei nur dieser Satz aus dem Film gestrichen, der Film aber nicht aus dem Internet entfernt worden.

Externes Video: Die Amazon-Doku in der ARD-Mediathek

Die Kanzlei Höcker, die die Firma vertritt, verbreitet jedoch auch, dass die E-Mail fingiert worden sei und es die angegebene Zeugin gar nicht gebe. „Da ist den Filmemachern leider ein Fehler unterlaufen“, erklärt Häuser. Denn den Informanten und die E-Mail gebe es, dieser sei auch bereit, das zu bestätigen. Anstatt einen schwarzen Balken über den E-Mail-Absender zu legen, sei jedoch ein Name erfunden worden, um den Informanten zu schützen.

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Der HR könnte gegen die Verfügung Widerspruch einlegen. Die Begründung Häusers: Der Satz spiegele die Meinung eines anderen, nicht des HR wider und das sei rechtlich zulässig. „Doch der Film lebt ja nicht nur durch diesen einen Satz, daher überlegen wir uns diesen Schritt noch.“

Die ARD-Reportage über das Logistikzentrum in Bad Hersfeld hatte im Februar für Entrüstung gesorgt. Politiker forderten daraufhin Aufklärung und eine Änderung der Gesetze für Leiharbeiter. (nif)

Quelle: HNA

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