Elisabeth und Willy Eltze aus Bebra feiern heute ihre Eiserne Hochzeit

Trauung fand im Pfarrhaus statt

Heute vor 65 Jahren schlossen Elisabeth und Willy Eltze aus Bebra den Bund fürs Leben. Foto: Hefter

Bebra. Pfarrer Heidelbach traute Elisabeth und Willy Eltze im Pfarrhaus, denn die im Krieg zerstörte Auferstehungskirche war im April 1947 noch nicht wieder aufgebaut. Am heutigen Gründonnerstag jährt sich dieser Tag zum 65. Mal. Eltzes feiern Eiserne Hochzeit und blicken gemeinsam zurück. „Es waren schöne Zeiten“, sagt Elisabeth Eltze und blättert im Fotoalbum, in dem viele Erinnerungen festgehalten sind.

Das Hochzeitsfest damals fiel bescheiden aus, denn die Zeiten waren schlecht. Gefeiert wurde im Familienkreis. Der Großvater der Braut stiftete einen Kaninchenbraten, dazu gab es selbstgebrannten Schnaps und Kaffee, den man von den Amerikanern organisierte.

Kennengelernt hatte sich das Paar kurz nach dem Krieg. Willy Eltze, der 1926 in Prussendorf in Sachsen-Anhalt geboren wurde, war nach seiner Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Bebra geblieben und verdiente seinen Lebensunterhalt als Erntehelfer bei einem Landwirt.

Eigentlich war er Berufsmusiker, Trompeter, hatte nach der Schule vier Jahre lang die Musikschule in Kölleda besucht. Doch mangels Instrument blieb ihm zunächst keine andere Wahl. Seine spätere Frau, 1928 als Elisabeth Siebert in Asmushausen geboren, lebte damals mit ihrer Mutter und zwei jüngeren Brüdern in direkter Nachbarschaft. Ihr Vater wurde seit 1943 in Russland vermisst, die Familie hat nie wieder von ihm gehört. „Wir haben uns über den Zaun kennengelernt“, berichtet Willy Eltze.

Nach einigen Monaten in der Landwirtschaft kam er durch einen Zufall an eine Trompete und konnte wieder seinem Beruf nachgehen. Er gründete eine eigene Kapelle namens Gebhardt/Eltze, die in unterschiedlichen Zusammensetzungen in Clubs und rappelvollen Sälen aufspielte. „Die Menschen waren damals ausgehungert nach Musik“, erzählt Willi Eltze. „Wir waren weit über den Kreis hinaus bekannt.“ Weil er auch oft für amerikanische Soldaten spielte und gut mit Zigarettenwährung bezahlt wurde, kam das junge Paar über die Runden. 1952, die Eltzes hatten bereits zwei Kinder, entschied sich Willy Eltze, auswärtige Engagements anzunehmen. Er spielte in vielen Orchestern, war in ganz Deutschland unterwegs, mal mit und mal ohne Familie. Nach sieben Jahren entschloss er sich der auf fünf Köpfe angewachsenen Familie zuliebe zu einem radikalen Schritt. Er hängte die Trompete an den Nagel und eröffnete in Bebra ein Versicherungsbüro. „Damit das Zigeunerleben ein Ende hatte“, berichtete er. 35 Jahre lang war er als Versicherungskaufmann selbstständig, seine Frau half ihm zeitweise im Büro. Mit der Geburt des vierten Kindes in 1970 war die Familie komplett. Inzwischen haben die Eltzes vier Enkel und einen Urenkel.

Wandern als Hobby

Großes gemeinsames Hobby der Eheleute war das Wandern, fast jedes Wochenende und im Urlaub waren sie auf Schusters Rappen unterwegs, haben dabei tausende von Kilometern zurückgelegt und viel von der Welt gesehen. „Die Zeit ist wie im Fluge vergangen“, finden die beiden, die inzwischen 83 beziehungsweise 86 Jahre alt sind. Weil sie gesundheitlich angeschlagen sind, feiern sie die Eiserne Hochzeit im kleinen Kreis in Bebra. Vor fünf Jahren bei der Diamantenen Hochzeit war das noch anders. „Damals waren wir am Lago Maggiore“. (ysy)

Quelle: HNA

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