Werner Simon aus Cornberg hat aus dem Nachlass seiner Großmutter eine 100 Jahre alte Zeitung

Trauriges von der Front 1916

Die Liste der Gefallenen: Auch sie ist abgedruckt. Repro: Meyer

Cornberg/Rockensüß. Der Grund, dass Frieda Simon aus Rockensüß vor ziemlich genau hundert Jahren beschloss, die Ausgabe einer Zeitung gut aufzuheben, ist ein trauriger: Unter der Überschrift „Auf dem Felde der Ehre starben den Heldentod“ ist dort als fünfter auch ihr Ehemann aufgeführt: „Karl Simon, am 24. August 1915 in Rußland“.

Frieda Simon blieb als Witwe zurück, mit einem dreijährigen Sohn, einem kleinen Lebensmittelladen und ein wenig Landwirtschaft. Die Zeitung vom Januar des Kriegsjahres 1916 gab sie vor ihrem Tod ihrem Sohn Carl, der sie wiederum an seinen Sohn Werner weiterreichte. Der bewahrte das vergilbte Papier sorgsam in einem Bücherregal auf.

„Dem alten Jahr die Abschiedsstunde hat geschlagen. Am Ende ist es mit viel Tränen, Not und Plagen.“

Gedicht aus den HeimatGrüßen

„Heimatgrüße“ steht in riesigen Buchstaben auf der ersten Seite, darunter kleiner: „aus den Gemeinden Rockensüß und Königswald.“ Die Zeitung, vermutet Werner Simon, habe wohl dazu gedient, den Soldaten Nachrichten aus der Heimat zu senden. Wie stark der erste Weltkrieg die beiden kleinen Dörfer traf, zeigt die Liste der Gefallenen: Vierzehn Männer werden hier aufgeführt, gefallen in verschiedenen europäischen Ländern, ein weiterer Mann gilt als vermisst.

Pfarrer Riebeling wird als Schriftleiter der Zeitung genannt. In einem ausführlichen Artikel wendet sich der Pfarrer direkt an die „Kameraden“ und widmet sich der Frage, wie die Schrecken des Krieges mit dem Glauben an einen gütigen Gott vereinbar seien. Er gebe zu, dass ihm draußen, im Krieg, „vielleicht auch manche Zweifelsgedanken kommen würden“. Ein anderer Artikel erzählt den Soldaten aus den Heimatdörfern. „Vom mißglückten Lichtbilderabend in der Rockensüßer Kirche ist nicht viel zu berichten“, schreibt der Autor. Kriegsbilder sollten gezeigt werden, aber die Technik funktionierte nicht.

Platz ist auch für Gedichte, die, so vermutet Werner Simon, Soldaten von der Front nach Hause geschickt haben. Da reimt ein Ch. G. aus Rockensüß: „Dem alten Jahr die Abschiedsstunde hat geschlagen/ Am Ende ist es mit viel Tränen, Not und Plagen/ Gebracht hat es viel sorgenvolle Stunden/ Geschlagen unsagbar schwer tiefe Wunden.“

Werner Simon berühren die Gedichte. „Es ist weit weg für mich“, sagt er über die Berichte aus den Kriegstagen. Die Zeitung wird er weiter aufbewahren und an ein Familienmitglied weiterreichen. Zur Person

Von Achim Meyer

Kommentare