Training mit dem Jugger-Meister: Kampf mit gepolsterten Waffen

Kampf mit gepolsterten Waffen: Beim Jugger treten zwei Mannschaften gegeneinander an. Was auf den ersten Blick martialisch aussieht, folgt festen Regeln. Fotos: Eisenberg

Rotenburg. „Bereit? Drei, zwei, eins - Jugger“, ruft Lester Balz vom Spielfeldrand in der Rotenburger Großsporthalle. Von den Stirnseiten der Halle stürmen die beiden Mannschaften, begleitet von Trommelschlägen, aufeinander zu und schwingen dabei ihre mit Schaumstoff gepolsterten Lanzen und Ketten, die Pompfen genannt werden.

Was auf den ersten Blick nach purem Chaos aussieht, folgt in Wahrheit klaren Regeln. In der Großsporthalle der Fulda-Stadt wird Jugger gespielt. Diese relativ junge Sportart ist eine Mischung aus Handball oder Rugby.

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Deutscher Meister Lester Belz zu Gast in Rotenburg

Mit einem Trainingscamp bereitet sich die Juggergemeinde Rotenburg auf ein Turnier in Berlin vor. Zum Auftakt haben sich die Jugger (so werden auch die Spieler bezeichnet) den amtierenden deutschen Meister zur Trainings-Unterstützung eingeladen: Lester Balz ist an diesen Tag aus Berlin ins Fuldatal gekommen, um den Spielern Tricks und Kniffe beim Jugger beizubringen. An dem Workshop mit dem Berliner nehmen die Multiplikatoren der Rotenburger Kinder- und Jugendarbeit teil, die dieses Wissen in den folgenden Tagen an Schüler ab der sechsten Klasse weitergeben. In Rotenburg habe er hoch motivierte Sportler und einen großen Pompfen-Fundus vorgefunden, lobt der Trainer aus Berlin die Jugger-Gemeinde.

Lester Balz ist zwar amtierender deutscher Meister, Jugger ist aber auch für ihn nur eine Feierabendbeschäftigung. Jedes Bundesland dürfe ein Liga-Turnier ausrichten.

In Rotenburg vermittelt Balz den Umgang mit den Pompfen, das Zusammenspiel mit der Mannschaft und die richtige Taktik. „Ihr müsst eine Reihe bilden, ihr steht zu verstreut“, ruft er einer der Trainingsmannschaften zu.

Ratschläge vom deutschen Meister: Lester Belz (rechts) bereitete die Rotenburger Juggern beim Trainingslager auf das Turnier in Berlin vor. In seiner Hand hält er den Ball in Form eines Hundeschädels.

Die Spielregeln erscheinen dem Laien zunächst etwas verwirrend: In einem 20 mal 40 Meter großen Spielfeld müssen die Mannschaften einen Schaumstoffball, traditionell in Form eines Hundeschädels, in das runde gegnerische Mahl zu befördern. Vier der fünf Feldspieler sind bewaffnet. Nur der unbewaffnete Läufer darf einen Ball aufnehmen. Wird einer der Spieler von Pompfen oder Ketten getroffen, muss er sich hinknien und aussetzen. Die Zeit wird mit Trommelschlägen gemessen. „Die Läufer sind die einzigen, die sich berühren dürfen, bei den anderen ist Körperkontakt verboten“, erklärt Markus Paul, der Leiter des Rotenburger Jugendhauses. Einmal im Monat gibt es in Rotenburg ein Jugger-Event, das sich mittlerweile gutem Zuspruch erfreut. Das vom Rotenburger Präventionsrat und dem Runden Tisch Jugendarbeit und Schule getragene Jugger-Projekt hat in diesem Jahr sogar den Hessischen Präventionspreis gewonnen. Die Preisverleihung findet am 26. April in Wiesbaden statt. (jce)

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Quelle: HNA

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