Wiederholungstäter zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

Todesangst auf der Toilette

Bebra/Bad Hersfeld. Rund 160 Euro und zwei EC-Karten hatte ein 26-jähriger Bad Hersfelder im vergangenen August erbeutet, als er einen 72-jährigen Pensionär aus Bebra überfiel.

Nun wurde der aus dem Libanon stammende Täter vom Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. „Ich hatte Todesangst“, erklärte das Opfer des Raubzuges während der Verhandlung. Er habe einen schweren Schock erlitten, mit dessen Folgen er bis heute kämpfe. Der Pensionär war am 28. August von dem Angeklagten in einer öffentlichen Toilette nahe dem Nordschulteich überrascht und mit einem Schrei erschreckt worden. Anschließend zog dieser ihm das Portemonnaie aus der Hosentasche und flüchtete nach einem kurzen Gerangel. „Ich hatte ihn noch am Handgelenk gepackt“, erläuterte der Geschädigte. „Aber gegen ihn hatte ich keine Chance.“

Nachdem ein zu Hilfe kommender Passant die Polizei verständigt hatte, wurde der Täter wenige Minuten später in der Nähe festgenommen. „Das gestohlene Geld fanden wir etwa zehn Meter entfernt vom Ort der Festnahme“, erklärte ein 49-jähriger Zeuge des Geschehens.

Der bereits einschlägig vorbestrafte Libanese zeigte sich vor Gericht wenig reumütig und stritt die Tat ab. „Ich kenne diese Person nicht“, erklärte er noch kurz vor der Urteilsverkündung und sah dabei in Richtung des Opfers. Doch die Indizien ließen kaum Fragen offen. So war der Täter kurz nach der Tat vom Geschädigten per Lichtbild identifiziert worden und trug zum Zeitpunkt der Festnahme einen grauen Kapuzenpullover bei sich, der vom Opfer beschrieben worden war. Des Weiteren fanden sich auf einem Teil der erbeuteten Banknoten die Fingerabdrücke des 26-Jährigen.

Staatsanwalt Werner Stock forderte aufgrund der zwingenden Beweislast eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung und hob hervor, dass der junge Libanese bereits mehrfach strafrechtlich auffällig geworden sei und erst kürzlich eine längere Haftstrafe abgesessen habe.

Freispruch gefordert

Verteidiger Jochen Kreissl plädierte aufgrund von Ungereimtheiten für Freispruch. „Die EC-Karten und das Portemonnaie wurden nie gefunden, die Fingerabdrücke fand man nur auf einem Geldschein.“ Richter Michael Krusche überzeugte dies sowie die Aussage des Angeklagten, er habe das Geld durch ein vorheriges Geschäft mit einem anderen Araber erhalten, allerdings nicht. „Die Leugnung der Tat ist nicht nachzuvollziehen“, erläuterte er und begründete das Strafmaß von drei Jahren mit der Schwere der Tat. „Sie haben das Opfer in eine lebensgefährliche Situation gebracht.“

Von Nicole Wagner

Quelle: HNA

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