Kein Mangel an Veterinärmedizinern – Probleme bei Vertretung

Tierärzte konkurrieren um Kühe im Kreis

Hersfeld-Rotenburg. Während Experten vor einem drohenden Tierärztemangel auf dem Land warnen, scheint es im Kreis Hersfeld-Rotenburg ein anderes Problem zu geben: Vor allem im Bereich der Großtiere herrscht offenbar ein hoher Konkurrenzdruck unter den Tierärzten, was mitunter zu Problemen bei der Besetzung von Not-, Wochenend- und Vertretungsdiensten führt.

„Wir sind gut besetzt. Es gibt eher zu viele Tierärzte“, sagt etwa Dr. Peter Bochenek, der seit 33 Jahren in Rotenburg tätig ist und sich um Großtiere wie Rinder und Schweine kümmert. Denn es gebe auch immer weniger landwirtschaftliche Betriebe, sprich: Kunden. Dies bestätigen der Kreisbauernverband, die Landestierärztekammer und andere Betroffene. „Der Konkurrenzkampf ist groß“, so Bochenek.

Ein Kollege, der sich seit über 20 Jahren ebenfalls vorwiegend um Großtiere kümmert, seinen Namen aber nur ungern in der Zeitung lesen möchte, sagt: „Es gibt genug Tierärzte, aber nicht genug Tiere und die Wege werden weiter. Die Lage ist nicht rosig. Hinter den Kulissen wird um jede Kuh gestritten.“

Wegen des großen Konkurrenzkampfes sei es außerdem schwierig, gegenseitige Vertretungen zu organisieren. „Jeder kämpft für sich, es gibt wenig Kollegialität“, erklärt Dr. Gerhard Wagner, der viele Jahre in Breitenbach/H. praktiziert hat.

Dass es im „Haustiersektor“ – mit einem größeren Kundenstamm – aber ebenfalls nicht immer kuschelig zugeht, berichtet Dr. Gerald Schmidt aus Schenklengsfeld. „Die Versorgung mit Tierärzten bei uns ist gut, aber es herrscht großes Konkurrenzdenken, und es gibt Probleme bei der gerechten und verlässlichen Verteilung der Notdienste.“

Dass es generell immer weniger Großtier-Mediziner gibt, liegt daran, dass Männer im Studiengang Veterinärmedizin Mangelware sind und Frauen sich eher im Kleintier-Bereich spezialisieren. Wenige wollen aufs Land ziehen und die körperlich schwere Arbeit machen. Hintergrund, Zum Tage

Von Nadine Maaz

Quelle: HNA

Kommentare