Westlich am Kreis vorbei?

Netzbetreiber Tennet stellt Alternativkorridore für die Suedlink-Stromtrasse vor

Hier könnte die Suedlinktrasse verlaufen: Die gepunktete Linie zeigt den bisherigen Korridorvorschlag, die blauen Linien zeigen die jetzt von Tennet vorgestellten Alternativrouten. Karte: Tennet

Hersfeld-Rotenburg. Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet hat am Freitag neue Vorschläge für weitere Trassenkorridore der geplanten Windstromleitung Suedlink im Internet veröffentlicht. Diese seien das Resultat der seit März gesammelten Hinweise der Bürger.

In einer Pressemitteilung spricht das Unternehmen davon, dass 90 Prozent aller Anregungen in die Planung mit eingeflossen seien. Für das Projekt, das den in Küstengebieten erzeugten Windstrom aus Wilster bei Hamburg nach Grafenrheinfeld in Bayern transportieren soll, sind laut Tennet über 3000 Hinweise und Vorschläge eingegangen. Insgesamt hat Tennet nach eigenen Angaben auf der gesamten Streckenlänge 112 Korridorvorschläge detailliert geprüft, von denen 98 neue Korridore mit in die Planungen aufgenommen worden seien. Die Prüfung von Alternativkorridoren ist Voraussetzung für den Antrag auf Bundesfachplanung, den Tennet im November bei der Bundesnetzagentur einreichen will.

Für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg weist die von Tennet veröffentlichte Karte zwei Alternativen zum Ursprungs-korridor aus. So könnte die Trasse westlich am Kreisgebiet vorbei durch den Schwalm-Eder-Kreis verlaufen. Von Borken kommend führt diese Route an Frielendorf, Neukirchen (Knüll), Alsfeld, Lauterbach und Großenlüder vorbei nach Fulda. Ein weiterer Vorschlag tangiert weiterhin Neuenstein, Kirchheim und Niederaula, leicht westlich des bisherigen Korridors. In Niederaula gabelt sich diese Variante. Ein Ast führt, statt wie bisher vorgesehen zwischen Niederaula und Niederjossa, westlich am Kernort vorbei.

Als „Katastrophe“ bezeichnet Dr. Lars Niebel, Vorsitzender der Bürgerinitiative Lebensqualität Neuenstein, die Vorschläge. Die Westvariante durch den Schwalm-Eder-Kreis sei wohl der Versuch, die Regionen gegeneinander auszuspielen. Die östliche Variante rücke den Korridor zwar von Aua und Saasen weg, „dafür sind jetzt Untergeis und Gittersdorf mit im Boot“, kritisiert Niebel.

Der Bürgerinitiative gehe es deshalb darum im Zusammenschluss auf Bundesebene gegen die Leitung vorzugehen. Nach dem Netzentwicklungsplan 2014 könne aus der bisher als Vier-Gigawatt-Leitung eine Zehn-Gigawatt-Trasse werden. „Das wäre eine 30 Meter breite Trasse mit Masten in einer Höhe, wie sie hier noch keiner gesehen hat, meint der Vorsitzende.

Mit dem Verschieben der Leitung werde die Grundproblematik von Suedlink nicht gelöst, sagt auch Axel Hinz, Vorsitzender des Vereins Pro Aulatal, in dem Einwohner von Kirchheim und Niederaula organisiert sind. Der Verein setze sich dafür ein, die Trasse ganz zu verhindern, da der Bedarf auch von Fachleuten in Zweifel gezogen werde.

Von Jan-Christoph Eisenberg

Quelle: HNA

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