Dieser Mann rettete per Handy von Nordhessen aus ein Flüchtlingsboot

Zeigt stolz das Bild seiner Neffen: Der syrische Flüchtling Hassan Al Balhki lebt mit seiner Familie im Bad Hersfelder Herkules-Markt. Am Donnerstagabend half er, ein in Seenot geratenes Boot zu retten. Verwandte von ihm waren unter den 90 Insassen. Foto: Künemund

Bad Hersfeld. Ein Syrer aus der Bad Hersfelder Notunterkunft hat maßgeblich zur Rettung eines Flüchtlingsbootes im Mittelmeer beigetragen.

Unter den 90 Insassen, die am Donnerstagabend zwischen der Türkei und Griechenland in Seenot gerieten, waren seine schwangere Schwägerin und ihre zwei Kinder.

Per Handy baten sie Hassan Al Balhki in Bad Hersfeld um Hilfe. Er erreichte über die hiesige Leitstelle, dass ein Rettungstrupp das Boot suchte. Letztlich konnte sich die Besatzung aber offenbar selbst bis zur Küste retten.

„Meine Familie und ich hatten Angst um ihr Leben. Das Boot war kaputt und drohte unterzugehen“, sagt Al Balhki. Seiner Aussage nach ist das motorisierte Schlauchboot um 17.30 Uhr von Izmir aus gestartet. Kurz vor dem Ziel sei der Motor ausgefallen und Luft entwichen, meldete die Schwägerin des 38-Jährigen. Dann riss die Verbindung ab.

Zwei Stunden später rief ein Libanese vom Boot an. „Er sagte, dass Panik ausgebrochen ist, auch, weil Sturm war“, erzählt der Syrer, der mit Frau und drei Kindern im Herkules-Markt untergekommen ist. Er habe ihm die Koordinaten des Bootes geschickt. Al Balhki hat sie über einen Dolmetscher gegen 20.30 Uhr an die Leitstelle in Bad Hersfeld gegeben. Der weitere Weg des Notrufs: Hessisches Innenministerium und die Leitstelle in Piräus.

Ein Rettungstrupp fand das Boot nicht. „Ich habe gute technische Kenntnisse und dem Fahrer gesagt, wie er den Motor reparieren muss“, erzählt Al Balhki. Um 23.30 Uhr kam die Nachricht im Herkules an, dass alle in Sicherheit sind. Wie genau, das konnte das Hessische Innenministerium am Freitag nicht rekonstruieren. Doch die Rettungskette hatte funktioniert. „Lob an die Helfer im Herkules und die Leitstelle“, sagt Kreissprecher Dirk Herrmann.

Hassan Al Balhki ist überglücklich: „Hoffentlich kommen meine Verwandten zu mir nach Deutschland.“

Von Florian Künemund

Quelle: HNA

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