Über 250 Muslime starteten in Bebra mit einem Gebet in das dreitägige Zuckerfest

Süßes nach dem Fasten

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Schon früh auf den Beinen: Von links Ümit Acar, Fatih Evren (Vorsitzender des Türkisch-Islamischen Kulturvereins), Ahmet Evren, Olgun Yüksel, Kadir Tuzlali und Ahmet Görenekli.

Bebra. Gleich am Eingang der Bebraer Moschee steht ein Tablett mit kleinen abgepackten Süßigkeiten: Es gibt Karamell und Schokolade. Schon im Morgengrauen waren die Muslime zum Zuckerfest gestern auf den Beinen.

In der Bebraer Moschee trafen sich über 250 Männer zum traditionellen Festtagsgebet. Es ist der Auftakt der dreitägigen Feier und das Ende des Fastenmonats Ramadan. „Das Zuckerfest ist für uns wie Weihnachten für die Christen“, sagt Fatih Evren. Er ist Vorsitzender des türkisch-islamischen Kulturvereins Bebra.

In dem Gemeinschaftsraum des Vereins riecht es schon um kurz nach 6 Uhr nach frisch aufgegossenem schwarzen Tee. Serviert wird er in kleinen Gläsern mit goldener Verzierung. Dazu gibt es zwei Stücke Zucker auf einem Unterteller. Gespräche auf Türkisch erfüllen den Raum. Über einen Lautsprecher ist die Stimme von Vorbeter Siddik Polat zu hören. Die Stimmung ist locker – es wird viel gelacht. Die meisten der Muslime tragen Hemd und Sakko. „Bei dem Fest machen wir uns schick“, sagt Evren. Für einen Anzug ist es dem 34-Jährigen jedoch zu warm, er trägt Hemd. „Die Kleidung sollte angemessen, aber nicht übertrieben sein“, erklärt Evren.

Für das Fest hat sich der in Bebra aufgewachsene Sohn eines türkischen Gastarbeiters extra freigenommen. Diese Tage gehören ganz der Familie von Evren. Sein fünfjähriger Sohn Anil bekommt, wie alle Kinder zum Zuckerfest, Süßigkeiten und ein kleines Taschengeld geschenkt.

Kurz vor 7 Uhr leert sich der Gemeinschaftsraum langsam. Die Muslime machen sich auf den Weg die Treppe nach oben in den Gebetsraum. Vor der Tür des mit Teppich ausgelegten Zimmers werden die Schuhe ausgezogen. Polat steht in der linken Ecke des Raumes hinter einem erhöhten Pult und liest aus der Heiligen Schrift. Als Vorbeter wird er auch Iman genannt.

Hinter Polat an der Wand hängt die türkische Flagge. In der Hocke mit den Händen auf den Oberschenkeln beginnt für die Muslime das Gebet. Die Handinnenflächen zeigen nach oben. Mit ihnen wischen sich die Männer übers Gesicht. Die Frauen bereiten währenddessen das Fest zuhause vor.

Im Wechsel sprechen und singen Vorbeter und Gläubige den immer gleichen Satz auf türkisch. „Er bedeutet: Allah ist einzig und groß. Auf seine Einladung sind wir erschienen“, übersetzt der Iman. Gebet wird abwechselnd auf den Knien und im Stehen.

Mit Umarmungen wünschen sich die Männer nach der Zeremonie ein frohes Ramadanfest. Dann geht es für sie nach Hause zu ihren Familien. Auf dem Weg dorthin gibt es für jeden noch eine Süßigkeit von dem Tablett am Eingang.

Von Verena Koch

Quelle: HNA

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