Vögel suchen zurzeit in Rapsfeldern nach Insekten

Bedrohtes Braunkehlchen: Sturzflug in die Rote Liste

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Ein Braunkehlchen: Es hat ein Insekt entdeckt und versucht, es im geschickten Flug zwischen den Rapsblüten zu erbeuten. Die Aufnahme gelang bei Lispenhausen.

Bebra. Etwa von Mitte April bis Mitte Mai kann man in unserer Region ziehende Braunkehlchen beobachten, die aus ihrem Winterquartier, dem subtropischen Afrika kommen.

Darauf weist Arno Werner hin, dem das nebenstehende Foto bei Lispenhausen gelungen ist.

Auf ihren Zugwegen benötigen die Braunkehlchen energiereiche Insektennahrung, so erklärt Werner von der HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz). Intensiv bearbeitetes blütenarmes Grünland, darunter Grassaaten, die schon Anfang Mai gemäht werden, prägen auch die landwirtschaftlichen Nutzflächen in der Fuldaaue, so der HGON Arbeitskreisleiter. Dort suchten die Braunkehlchen meist vergeblich nach Nahrung.

Als Ersatzlebensraum, zumindest während der Zugzeit, haben die sperlingsgroßen Braunkehlchen jetzt die blühenden Rapsfelder entdeckt. Summende Bienen, Schwebfliegen, Marienkäfer und Hummeln, die die Blüten besuchen, werden dort gejagt. Ebenso rasten die Vögel noch in den letzten verbliebenen Viehweiden. Dort sind Pfosten und Drähte beliebte Ansitzwarten, um nach Insekten Ausschau zu halten.

An ihre Brutplätze stellen die seltenen Vögel aber höhere Ansprüche. Sie sind Indikatoren einer vergangenen Kulturlandschaft, die geprägt war von extensiv genutztem Grünland, Viehweiden, Feucht- und Heuwiesen.

Mit dem rapiden Rückgang dieser Lebensräume begann ein dramatischer Schwund der Population. „Es war ein regelrechter Sturzflug in die Rote Liste in die Kategorie 1: vom Aussterben bedroht“, erklärt Arno Werner. Kaum mehr als 400 Brutpaare gebe es jetzt nur noch in Hessen.

Weil sich kein Braunkehlchen mehr über längere Zeit in der Fuldaaue an einem Platz ernähren könne, sind Brutpaare ein Relikt der Vergangenheit

. „Nach seinem Reviergesang lauschen wir deshalb vergebens, ein weiteres Zeichen des stummen Frühlings“, formuliert der Naturschützer. Maßnahmen zur Wiederansiedlung scheiterten bisher an der Kleinräumigkeit der Schutzgebiete. Bei einer weiteren negativen Veränderung der Fuldaaue sei zu befürchten, dass auch die Stimmen der letzten noch verbliebenen Brutvögel in der Agrarlandschaft wie Feldlerche, Wiesenschafstelze und Wachtel verstummten. Für die biologische Vielfalt stehe der Zeiger schon 5 nach 12, warnt Werner.

Quelle: HNA

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