Schöffengericht verurteilt 54-Jährige zu einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung

Der Stoff lag im Kühlschrank

Bad Hersfeld. Der Wirkstoffgehalt verschiedener Betäubungsmittel, die sich im Kühlschrank einer 54 Jahre alten Frau aus dem östlichen Kreisgebiet fanden, summierte sich bei der kriminaltechnischen Untersuchung auf mehr als zehn Gramm.

Damit war die juristisch bedeutsame Grenze zur „nicht geringen Menge“ überschritten, was den Vorwurf der Staatsanwaltschaft Fulda zu einem Verbrechenstatbestand machte.

Der Inhalt ihres Kühlschrankes war denn auch der schwerwiegendste von rund einem Dutzend Anklagepunkten und sorgte dafür, dass die Hausfrau gestern vom Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld zu einem Jahr und neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Das Gericht verhängte unter Vorsitz von Richter Michael Krusche darüber hinaus eine Geldauflage von 500 Euro und 50 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Zunächst hatte es in dem zwei Tage dauernden Verfahren (unsere Zeitung berichtete) so ausgesehen, als wäre ein Deal mit 500 Gramm Amphetaminen, den die 54-Jährige konspirativ auf einem Feldweg bei Meinigen an den Auftraggeber aus Nürnberg lieferte, der dickste Brocken. Doch die Qualität der Glückspillen war so mies, dass der Wirkstoffgehalt den Grenzwert nicht erreichte.

Allerdings war es dieses von einem Polizeiermittler provozierte Geschäft, der das Treiben der Waldhessin auffliegen ließ. Die hatte bis dahin auf Bitten eines Bekannten immer wieder mal einige wenige Gramm besorgt und per Post verschickt. Als dann ein halbes Kilo bestellt wurde, schien die Kurierfahrt sicherer.

Nichts verdient

Vor Gericht gab die Mutter von drei Kindern an, bei den Deals selbst nichts verdient zu haben. Sie habe das Rauschgift aus Gefälligkeit besorgt. Wieso ihr Nürnberger Bekannter nicht vor Ort kaufte, auch das klärte sich vor Gericht: Bad Hersfeld sei als preisgünstige Bezugsquelle für Amphetamine bundesweit bekannt, sagte der 49 Jahre alte Zeuge gestern aus.

Weitere Anklage

Mit seinem Urteil blieb das Schöffengericht deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die zwei Jahre und zwei Monate Freiheitsentzug gefordert hatte.

Zum einen wurde so eine Strafaussetzung zur Bewährung möglich, und zum anderen bleibt noch etwas Spielraum, wenn die Hausfrau demnächst in einem anderen Verfahren ein weiteres Mal auf der Anklagebank sitzt. Denn müsste die 54-Jährige hinter Gitter, wäre es auch um ihre pflegebedürftige Mutter nicht gut bestellt.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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