Krankenkasse bezahlt Fahrtkosten nicht

Im Stich gelassen: Patientin bekommt keine Hilfe nach Operation

Praxis von Dr. Claudia Szabo (links)

Rotenburg. Nach einer Knie-Operation kommt Angelika Albrecht-Volland aus Braach nicht zur Krankengymnastik. Die Krankenkasse zahlt die Fahrtkosten nicht, schlägt aber Hausbesuche vor. Trotzdem will nun keiner ihrer Ärzte die Behandlung zu Hause verschreiben. Lesen Sie hier die Gründe.

Die Ärzte haben Angst, auf den Kosten sitzen zu bleiben. Die Krankenkasse übernimmt die Fahrkosten zu ambulanten Behandlungsterminen nur in gesetzlich geregelten Ausnahmefällen. Für die Hausärztin sei es jedoch regelrecht riskant, Hausbesuche zu verschreiben. Dr. Claudia Szabo wurden bereits zahlreiche Hausbesuche im Nachhinein in Rechnung gestellt. „Ich sollte 17.000 Euro an die Krankenkassen zurückzahlen, weil in bestimmten Fällen meine medizinischen Verordnungen für den Patienten angezweifelt wurden“, erzählt Szabo.

Ärzte werden geprüft

Hintergrund dafür sind sogenannte Wirtschaftlichkeitsprüfungen: Jeder Arzt ist gesetzlich dazu verpflichtet, seine Verordnungen von einer unabhängigen Prüfstelle kontrollieren zu lassen. Das weiß Szabo, sie handele jedoch immer im Interesse des Patienten: „Ich finde es unmöglich, dass meine medizinischen Entscheidungen angezweifelt werden.“ Sie konnte zwar beweisen, dass ihre Verordnungen rechtmäßig waren, trotzdem habe sie Angst, immer wieder in ein solches Regressverfahren zu geraten.

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Die Prüfstelle teilte ihr auf Nachfrage mit, dass sie im Fall der Patientin Albrecht-Volland nicht für die Verschreibung von Hausbesuchen verantwortlich sei. Darum müsse sich der zuständige Orthopäde kümmern, dem ein anderes Budget zur Verfügung stünde. „Der verschreibt mir aber nur weitere Hausbesuche, wenn die Krankenkasse diese vorher bewilligt“, sagt Albrecht-Volland. Genau das lehne die Krankenkasse aber ab.

„Die Angst der Ärzte ist vollkommen verständlich und nachvollziehbar“, sagt Karl Matthias Roth, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV). „Wir fordern schon seit Jahren, dass diese Prüfungen abgeschafft werden.“ Sie seien sinnlos und verunsicheren den Arzt.

„Die Prüfstelle arbeitet unabhängig“, sagt Pressesprecher Claus Uebel, DAK-Gesundheit Hessen. Auf das Gremium habe die Kasse keinerlei Einfluss. Solange der Arzt seine Verordnung medizinisch begründet, sollte es bei der Abrechnung keine Probleme geben.

Ärzte sollten sich von der KV beraten lassen, wie sie sich im Zweifelsfall verhalten sollen. Dann könnten Regressverfahren vermieden, aber nicht ausgeschlossen, werden, sagt Roth.

„Ich werde Frau Albrecht-Volland jetzt an ihren Orthopäden verweisen“, sagt Szabo. Der Patient sei am Ende leider immer der, der auf der Strecke bleibt. „Ich hoffe darauf, dass ich meine Behandlungen verschrieben bekomme“, sagt Angelika Albrecht-Volland. „Ansonsten weiß ich nicht, was ich machen soll.“

Von Miriam Linke

Quelle: HNA

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