US-Beobachtungsstützpunkt

Bürgertreff am Tag der Deutschen Einheit erinnerte an Romeo

„Wir wollen erinnern – wir dürfen nicht vergessen“ – Unter diesem Motto stand der Bürgertreff am Tag der Deutschen Einheit in Bosserode, bei dem eine Informationstafel eingeweiht wurde. Sie informiert über die Bedeutung des ehemaligen Camps Romeo, das Leben der amerikanischen Soldaten, deren Aufgaben und Ziele sowie über die Kontakte mit den Einwohnern der umliegenden Orte. Foto: Vöckel

Bosserode. „Dieser Ort ist heilig. Er ist das Symbol unserer Geschichte, unseres Dienstes und Vermächtnisses.“ Für Scot Aitcheson ist es wichtig, dass die Erinnerung an den US-Beobachtungsstützpunkt Romeo wach gehalten wird.

Den Wunsch des ehemaligen Soldaten erfüllten die Organisatoren beim Bürgertreff am Tag der deutschen Einheit in Bosserode.

Auf dem Gelände des früheren Camps enthüllten sie eine Informationstafel mit der Überschrift: Ein Ort im Kalten Krieg. Aufgelistet sind die Daten zur Geschichte und Bedeutung des Beobachtungsstützpunktes an der Nahtstelle zwischen Ost und West nach Jahreszahlen, in Fotos und in Ausschnitten aus der HNA. Die Festansprache hielt Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt. Ausrichter des Bürgertreffs war der SPD-Ortsverein Bosserode.

45 Jahre lang haben amerikanische Soldaten die Aufgabe übernommen, die westdeutsche Grenze nach Osten zu verteidigen. Daran erinnerte Scot Aitcheson. Er selbst trat in den letzten Tagen des Kalten Krieges in den Dienst der US-Army ein und diente beim 3. Schwadron des 11. gepanzerten Kavallerieregiment.

Dessen Aufgabe sei es gewesen, im Ernstfall die vorrückenden sowjetischen Truppen aufzuhalten und die Grenze 24 Stunden lang zu verteidigen: bis zum Eintreffen von Verstärkung. Ihm und seinen Kameraden sei bewusst gewesen, die erste einer Vielzahl von Angriffswellen zurückzuschlagen, sie würden es aber niemals schaffen, sich in befestigte Stellungen zurückzuziehen.

Fotostrecke: Bürgertreff Camp Romeo

Bürgertreff Camp Romeo

„Wir würden viele unserer Kameraden zu Beginn eines grausamen und aufreibenden Kampfes verlieren“, sagte der ehemalige US-Soldat. Soldatenleben sei auf einmal in Sekunden gemessen worden. Anders als andere Army-Einheiten seien sie stets bereit gewesen, den Kampf sofort aufzunehmen. Ihre Ausrüstung lagerte immer nahe bei den Panzern, um die Einsatzzeit so kurz wie möglich zu halten.

Grenzpatrouillen seien Teil des Dienstes gewesen: 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Rückblickend stellte Scot Aitcheson fest: „Es war eine Zeit großer Ungewissheit und des Schreckens, aber auch die beste in unserem Leben.“ Sein Leben habe sich durch den Militärdienst verändert. Zum ersten Mal habe er eine echte Aufgabe gehabt, sei nicht nur Zeuge der Geschichte, sondern ein Teil von ihr gewesen. Die ehemalige Grenze und Point Romeo seien ihm heute besonders heilig. 1992 habe er zum ersten Mal den Osten besucht.

Ganz unbehaglich sei ihm zumute gewesen, als der Zug am DDR-Wachturm in Obersuhl vorbei und durch den Bahnhof Gerstungen fuhr. Dann habe er Eisenach erreicht, wo er eine reizende junge Dame kennenlernte. Beide sind nun schon seit 21 Jahren ein Paar und haben zusammen eine Tochter. Scot Aitchesons Fazit am Schluss seiner Rede: „Hätte es den Kalten Krieg, die Grenze und Point Romeo nicht gegeben, wäre das alles nicht möglich geworden.“

Quelle: HNA

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