Marktplatz: Steinerne Zeugen vergangener Zeiten

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Inmitten seiner Sammlung: Erich Hübener mit einem – in einem Kalkstein gewachsenen – Markasit-Kristall und weiteren, von ihm gefundenen Kristallen.

Manchmal fordert der Fortschritt Opfer. So wie in Friedewald, wo die Gemeindeverwaltung in das Untergeschoss des als Heimatmuseum genutzten Flügels des alten landgräflichen Jagdschlosses umzieht, was zur Folge hat, dass sich das Heimatmuseum verkleinern muss.

Der am Rande des Seulingswaldes wohnende 78-Jährige ist eigentlich Ostpreuße. Als Flüchtling verschlug es ihn nach dem Krieg nach Schleswig-Holstein und von dort aus über verschiedenste Ausbildungs- und Berufsstationen unter anderem nach Hameln. Dort war er in der Fürsorgeerziehung tätig – und begeisterte sich für das Sammeln von Mineralien. Auch später – als Pfarrer in Rockensüß, als CNC-Programmierer in Friedewald und mit einer Halbtagsstellung bei der Bahnhofsmission in Bad Hersfeld – ließ ihn sein Hobby nicht mehr los.

Im Heimatverein aktiv

Durch den Umzug nach Friedewald bekam er Kontakt zu den Initiatoren des Heimatmuseums, denen er beim Auf- und Ausbau der in weitem Umkreis bekannten Einrichtung half und für die er bis 2015 im Vorstand des die Einrichtung tragenden Heimatvereins mitarbeitete. Daneben war er 25 Jahre lang musikalischer Leiter der Folkloregruppe Friedewald. Einige der musealen Mineralien und Fossilien, die Hübener jetzt verkaufen will, stammen aus Steinbrüchen bei Hannover, aus denen der Grundstoff für Zement gewonnen wird. Mit viel Glück stieß er auf Ammoniten, Schwämme und sogar auf einen versteinerten Nautilus. Auch ein besonders schön anzuschauender Markasit-Kristall gehörte zu seinen „Beutestücken“.

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Marktplatz:

Marktplatz: Steinerne Zeugen vergangener Zeiten 

Bei auf Halden gelagertem Ganggestein – so bezeichnet man die nicht verwendbaren Überreste des im Richelsdorfer Gebirge abgebauten Kupferschiefers – entdeckte er nach langem Klopfen den einen oder anderen Fischabdruck. Auch in alten Schächten wurde er fündig, so dass man fast schon etwas „mitfiebert“, wenn er erzählt, wie farbige Tropfsteinhöhlen entstehen, wie durchsickerndes Wasser Sekundärmineralien mitbringt, wie Kupfer grüne Halbedelsteine (Malachite) entstehen lässt, wie Kobalt rote und Nickel apfelgrüne „Folgen“ zeitigt.

Interessante Funde

In einer Glasvitrine des Heimatmuseums, deren Inhalt ebenfalls zum Verkauf steht, sind ganz oben Harzer Haldenfunde ausgestellt: Grünbleierze, Weißbleierze, Bleiglanz, Zinkblende. Darunter liegt eine Sandrose, Gipskristalle warten auf neugierige Besucheraugen, ebenso wie Calcitkristalle auf Grauwacke und sogenannte Drusen – Quarzkristalle aus Idar-Oberstein. Letztere haben sich in zunächst flüssigem Lavagestein entwickelt, durch das im Laufe von millionen Jahren ganz langsam Wasser geflossen ist. Beim Abkühlen haben sich hier – wie bei Lochkäse – Hohlräume (Blasen) gebildet, die von Mineralien, die von hindurchsickerndem Wasser mitgeführt wurden, ausgekleidet worden sind. Sobald man die Hohlräume aufschlägt, werden die Quarzkristalle sichtbar.

So birgt jeder Stein eine Geschichte in sich, die der Friedewälder gerne erzählt. Schließlich ist er nach wie vor so etwas wie ein Museumsführer – Führer durch längst vergangene, im Glücksfall zu Stein gewordene Geschichte.

Quelle: HNA

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