Stefanie Koch wohnt im Dorf und forscht zum ländlichen Raum

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Auf einen Kaffee in Bebra: Die Lüdersdorferin Stefanie Koch schätzt die Vorteile des Lebens in unserer Region.

Bebra. Wohnen im Grünen, Walken im Wald, ein Schwatz mit den Nachbarn, die sie von Kindheit an kennt: Das alles liebt Stefanie Koch, die in Lüdersdorf wohnt. Sie weiß auch die Vorteile der Stadt zu schätzen, aber leben möchte die junge Frau lieber auf dem Land.

Das ruhigere Leben, die Überschaubarkeit und Gemeinschaft im Dorf gefallen der 27-Jährigen, die in einem Mehrfamilienhaus wohnt: Oben lebt ihre Schwester, in der Mitte die Eltern, und Stefanie Koch hat die untere Wohnung bezogen, in der zuvor die Großeltern gewohnt hatten.

Sie liebt ihr Heimatdorf, das heißt aber nicht, dass sie nicht auch die Welt gesehen hätte. Sie studierte Soziologie in Kassel und für ein Semester Soziale Entwicklung an der Unimontes in Monte Claros im Brasilianischen Bergland. Im Sommer morgens um 10 Uhr zeigte das Thermometer in der tropischen Region schon 40 Grad kein Blatt war mehr an den Bäumen. "Da lernt man auch das nordhessische Regenwetter zu schätzen", sagt Stefanie Koch.

Auf die Frage, ob sie ein Landei ist, antwortet sie: "Ich glaube schon" ein Landei im besten Sinne. Zwar habe auch die Stadt ihren Reiz, aber zwei Wohnungen weiter kenne man die Nachbarn schon nicht mehr, sagt die Lüdersdorferin. Kulturell verarme man auch nicht, wenn man auf dem Dorf wohne. Vor Ort gibt es zum Beispiel mit Ellis Saal oder den Bad Hersfelder Festspielen viele kulturelle Angebote, und Kassel ist nicht weit.

Sie wohnt aber nicht nur in dem Bebraer Ortsteil, sondern engagiert sich auch seit vielen Jahren. Als stellvertretende Schulsprecherin in der 10. Klasse fing sie an, war lange Zeit die einzige jüngere Frau im SPD-Ortsverein in Breitenbach. Heute sitzt sie für die SPD im Stadtparlament. Die Entwicklung des ländlichen Raums ist ihr ein Anliegen, nicht nur persönlich, sondern auch beruflich: Schon ihre Masterarbeit hat die Soziologin zum Thema "Nachhaltige Dorfentwicklung" geschrieben. Zurzeit arbeitet sie an ihrer Promotion. In ihrer Doktorarbeit geht sie der Frage nach, warum Menschen in der Region bleiben. Sie hat ihr Fach mit Landschaftplanung verbunden und beackert hier ein Nischenfeld.

Der ländliche Raum sei durchaus attraktiv und habe Zukunft, sagt Stefanie Koch. Wichtig sei aber zum Beispiel die Verfügbarkeit des schnellen Internets. Auch ihre eigene Zukunft sieht sie in der Region, wofür sie die Wege und Stunden im Auto in Kauf nimmt. In Forschung und Lehre zum ländlichen Raum möchte sie an der Kasseler Uni gerne weiterarbeiten. Dort hat sie einen Lehrauftrag. Außerdem betreut sie seit einem Jahr ein Vereinsprojekt der Gemeinde Gudensberg. Ziel ist die Förderung von erfolgreicher Vereinsarbeit. Fast 100 Fragebogen wurden an Vereine in Gudensberg geschickt. Am Ende des Modellprojekts des Landes Hessen soll eine Art Leitfaden für erfolgreiche Vereinsarbeit stehen, Ideen, wie man Führungskräfte für die Vereine gewinnt. Schließlich prägen Vereine das Leben auf dem Land, und das ist Stefanie Koch ein Anliegen.

Von Gudrun Schankweiler-Ziermann

Quelle: HNA

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