Plädoyers im Prozess gegen 69-Jährigen aus Bebra

Staatsanwalt fordert acht Jahre wegen Mordes

Fulda/Bebra. Im Prozess gegen den Steuerberater aus Bebra, der seine Ehefrau erschoss, hat Staatsanwalt Andreas Hellmich eine Haftstrafe von acht Jahren wegen Mordes im Zustand verminderter Schuldfähigkeit beantragt. Verteidiger Christoph Posch sagte, der Schuss sei ein Unfall gewesen. Er beantragte ein Jahr auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung.

Der 69 Jahre alte Angeklagte meldete sich vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Fulda gestern zweimal zu Wort: Vor den Plädoyers sagte er, er habe noch einmal lange überlegt, wie die Tat abgelaufen sei. „Ich habe mich gequält. Wie ist es gewesen? Aber es ist, wie ich es gesagt habe. Es war ein Unfall. Ich kann nicht ausschließen, dass es anders war. Aber ich bin mir ziemlich sicher: Es war, wie ich gesagt habe.“

In seinem letzten Wort nach den Plädoyers sagte er mit tränenerstickter Stimme, er habe seine Frau geliebt. „Ich habe schon so oft bereut, dass ich so nachlässig mit der Waffe umgegangen bin“, sagte er. Der Angeklagte beteuerte zudem, seine Frau habe nicht geschlafen, als er geschossen habe.

Beweisanträge abgelehnt

Vor den Plädoyers lehnte das Landgericht zwei Beweisanträge der Verteidigung ab. Zur Spritzrichtung des Blutes und zur Bestimmung des Standortes des Schützen bei der Schussabgabe gebe es keinen weiteren Klärungsbedarf, sagte der Vorsitzende Richter Josef Richter.

Staatsanwalt Hellmich sagte, der Angeklagte neige im Prinzip nicht zur Gewalt. In der Tatnacht, am 20. Februar dieses Jahres, habe er sich jedoch in einer ausweglosen Lage gefühlt. Er habe zur Waffe gegriffen und vorsätzlich und mit Tötungsabsicht auf seine im Bett liegende Frau geschossen. Dafür sprächen auch alle Gutachten. Vermutlich habe sie geschlafen.

In jedem Fall habe die Frau jedoch mit dem Rücken zu ihm im Bett gelegen und sei deshalb arg- und wehrlos gewesen.

Verteidiger Christoph Posch kann jedoch kein Mordmerkmal erkennen. "Mein Mandant ist kein Mörder, betonte er und erklärte, dass nicht nachweisbar sei, dass die Frau geschlafen habe. (vn)

Mehr lesen Sie in unserer morgigen Printausgabe.

Kommentare