Für Ahnenforscher und Geschichtsfans gibt es im Medienzentrum eine besondere Anlaufstelle

Spuren in der Hessenstube

Hüter historischer Schätze: Reinhold Salzmann, ehemaliger Lehrer für Deutsch und Geschichte an der Rotenburger Jakob-Grimm-Schule, betreut seit einem Jahr die Hessenstube. Foto: Achim Meyer

Rotenburg. In der Schreibtischschublade versteckt liegt ein kleines silbernes Schlüsselchen. Damit lässt sich die Tür im Schreibtisch öffnen, hinter der sich die wertvollsten Schätze dieser kleinen Bibliothek verstecken. Seit einem Jahr betreut der ehemalige Lehrer Reinhold Salzmann die Hessenstube des Geschichtsvereins Altkreis Rotenburg im Medienzentrum an der Rotenburger Pestalozzistraße.

Knapp 3000 Bände stehen in den Regalen des etwa zwölf Quadratmeter großen Raums: Geschichtsbücher, Zeitschriften, Chroniken, Nachschlagewerke, Bildbände – alles Bücher mit Bezug zur Geschichte Hessens und unserer Region. Da stehen das Handbuch der deutschen Volkskunde, ein Buch über hessische Bauerntrachten, die Chronik „Mehr als 1000 Jahre Sterkelshausen“ oder das Buch „Zwangsarbeit im kurhessischen Kupferschieferbergbau Sontra“.

Das Wertvollste muss bleiben

Die wertvollsten Bücher tragen gelbe Aufkleber auf dem Rücken. Das bedeutet: Sie dürfen nicht ausgeliehen werden. Reinhold Salzmann greift ein Buch heraus. Es hat einen braunen Einband und vergilbte Seiten, trägt den Titel „Historisch-Topographische Beschreibung der wüsten Ortschaften“ und wurde 1732 gedruckt. Über den Ort Breitingen, der einst als Vorläufer Rotenburgs auf dem Gebiet der heutigen Hochmahle liegt, schreibt Verfasser Georg Landau: „Im Jahr 1073 sammelte bei Breitingen Kaiser Heinrich der IV. ein Heer zum Feldzuge gegen die Sachsen.“

Reinhold Salzmann hat als Betreuer dieser Fundgrube an Wissen die Nachfolge von Helmut Altmann angetreten. Jeden Freitagvormittag verbringt er in der Hessenstube und befasst sich mit den Büchern. Eine seiner Aufgaben ist es, neu eingegangene Bände in das System aufzunehmen. Die Hessenstuben-Bücher stehen nämlich nicht anonym im Regal. Sie sind im Computersystem des Medienzentrums registriert und so jederman über die Ausleihe zugänglich. Andere Geschichtsvereine würden die Rotenburger darum beneiden, erklärt Salzmann.

Salzmann hilft Menschen weiter, die in der Hessenstube Material für eine akademische Arbeit oder Spuren ihrer Familie suchen. Vor wenigen Tagen, erzählt er, habe sich per E-Mail ein Mann aus Hamburg gemeldet, dessen Vorfahren in Baumbach gelebt haben. In seinem Stammbaum fehlen einige Glieder. Salzmann: „Ich mache mich auf die Suche und versuche, eine Spur zu finden.“

„Ich mache das aus Freude an Büchern und aus Interesse an der regionalen Geschichte“, sagt Salzmann. Zum Schmökern kommt er selten, da, wie er sagt, die Inventarisierung eine Menge Zeit verschlingt. Wenn doch, dann schaut er nach Büchern seines besonderen Interessengebiets: Züge und Eisenbahnen.

ZUR PERSON

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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