Kindergarten Tabalugaland ist in Förderprogramm des Bundes aufgenommen worden

Sprache ist eine Baustelle

Vorlesen, Reden und Zuhören: Seit dem Sommer ist der Kindergarten Tabaluga-Land in Bebra Schwerpunkt-Kita für Sprachförderung. Erzieherin Birgit Kampe, die zur Fachkraft für Sprachförderung weitergebildet wird, mit den Kindern der Delfin-Gruppe. Foto: Hefter

Bebra. Im städtischen Kindergarten Tabalugaland in Bebra richtet man seit dem Sommer besondere Aufmerksamkeit auf die sprachliche Entwicklung der Jungen und Mädchen. Er ist in ein Bundesprogramm aufgenommen worden, bekommt als Schwerpunkt-Kita für Sprache und Integration bis 2014 eine halbe Stelle für eine Fachkraft für Sprachförderung.

Erzieherin Birgit Kampe hat diese Aufgabe übernommen und wird entsprechend weitergebildet. Die 48-Jährige aus der Nähe von Eisenach arbeitet seit 1996 für die Stadt Bebra. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Elemente des Sprachförderprogramms in den Kita-Alltag einfließen zu lassen und ihr Wissen an das Erzieherinnenteam weiterzugeben. Sie hält auch den Kontakt zur Grundschule und den Eltern.

„Sprachliche Kompetenz ist entscheidend für den späteren Schulerfolg der Kinder“, sagt Kampe. Im Alltag laufe alles über Sprache. Defizite sollten deshalb so früh wie möglich behoben werden. In der Praxis bedeute Sprachförderung aber keinen separaten Unterricht. „Sie soll den ganzen Tag in den Kindergartenbetrieb einbezogen werden und kommt allen Kindern zugute“, erläutert Kampe. Zur Sprachförderung gehöre etwa, dass die Kinder beim gemeinsamen Tischdecken die Gegenstände nennen und kommentieren, was sie gerade machen. Sprachliche Schnitzer ließen sich im Gespräch unauffällig korrigieren.

Birgit Kampe und ihren Kolleginnen ist aufgefallen, dass ihren Schützlingen oft alltägliche Vokabeln fehlen und manche es nicht mögen, wenn man sie gezielt etwas fragt. „Sie sind es nicht gewöhnt“, beobachtet Kampe. Das sei ein allgemeiner gesellschaftlicher Trend: Eltern redeten weniger mit ihren Kindern. Wohl auch, weil die Erwachsenen mit den eigenen Problemen beschäftigt seien und Fernseher und Computer viel Aufmerksamkeit beanspruchten. „Das Bauchgefühl für den Umgang mit Kindern ist verloren gegangen“, sagt Kampe.

Ein weiteres Ziel des Sprachförderprogramms ist, dass die Erzieherinnen ihr eigenes Sprachverhalten überprüfen und sensibel werden für Kindersprache, betont Kampe. Dazu gehöre, auf die eigene Wortwahl zu achten, dem Kind genau zuzuhören, es anzuschauen, Pausen beim Sprechen zu machen, um ihm Zeit zum Verstehen zu lassen.

„Sprache ist im Kindergartenalltag eine große Baustelle, und ihre Förderung langfristig und zeitaufwendig“, sagt Birgit Kampe. Nicht alles sei von heute auf morgen umsetzbar, sondern nur in kleinen Schritten. „Weil es in die Tiefe geht und unsere ganze Arbeit beeinflusst.“

Uli Rathmann, Leiter der Stadtjugendpflege, geht davon aus, dass es auch über 2014 hinaus Sprachförderung im Tabalugaland geben wird. „Wir machen uns schon Gedanken, wie wir auch die anderen Kindergärten in diese Arbeit einbeziehen können.“

Von Susanne Hefter

Quelle: HNA

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