Spielhallenräuber von Bebra: Vier Jahre und zehn Monate Haft

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Fulda/Bebra. Wegen eines Raubüberfalls auf eine Spielhalle im September in Bebra muss ein 25 Jahre alter Mann aus Bebra für vier Jahre und zehn Monate in Haft. Er ging mit einem Küchenmesser auf die Mitarbeiterinnen los, fiel aber vor allem durch seinen Dilettantismus auf.

Das Urteil des Landgerichts Fulda von Montag wurde von allen Beteiligten akzeptiert und ist damit rechtskräftig. Es fiel vergleichsweise milde aus, weil die Erste Strafkammer von einem minderschweren Fall ausging: „Die Tat war buchstäblich eine Schnapsidee und wurde zum Teil dilettantisch ausgeführt. Auch die Beute war mit 385 Euro relativ gering“, erklärte der Vorsitzende Richter Josef Richter. Wegen einer Alkoholisierung mit 1,44 Promille und einer Schädigung des Gehirns des Angeklagten aus frühester Kindheit ging das Gericht zudem von erheblich verminderter Schuld- und Steuerungsfähigkeit aus. Diese Einschätzung hatte der psychiatrische Gutachter Dr. Rainer Hoffmann empfohlen. Für den Angeklagten sprächen auch sein Geständnis, seine Reue und die frühe Entschuldigung bei den überfallenen Mitarbeiterinnen der Spielhalle, sagte der Vorsitzende Richter.

Auch die schwierigen Lebensumstände sah das Gericht als entlastend an. Der Angeklagte wurde schon im Alter von neun Monaten seiner alkoholkranken Mutter weggenommen. Danach wuchs er in einer Pflegefamilie und in wechselnden Heimen auf. „Wenn man Ihren Lebenslauf sieht, dann können Sie in einem Leid tun. Aber das ist natürlich keine Entschuldigung für Ihre Straftaten“, sagte der Richter.

Zu Lasten des Angeklagten fielen die lange Liste der Vorstrafen, der Einsatz eines gefährlichen Messers bei der Tat und die bleibende Angst der beiden bedrohten Kassiererinnen ins Gewicht.

Das Gericht ging von folgendem Geschehen aus: Während eines Kneipenbesuchs im „Happy Hours“ in Bebra kam der Angeklagte auf die Idee, eine Spielhalle zu überfallen. Er ging nach Hause, holte ein großes Brotmesser, maskierte sich, indem er eine Kapuze ins Gesicht zog, und ging gegen 0.20 Uhr mit dem Messer bewaffnet in die „Spielbörse“. Der Überwachungsfilm aus der Spielhalle, der am letzten Verhandlungstag gezeigt wurde, zeigte, dass die Tat nicht einmal eine Minute dauerte. Nach dem Überfall ging der Angeklagte nach Hause, zog sich um, ging zurück in die Kneipe - und erzählte dort von dem soeben ausgeführten Überfall. Aus der Gaststätte bekam die Polizei dann telefonisch einen anonymen Hinweis und konnte den Verdächtigen schon kurz nach der Tat festnehmen.

In die Strafe einbezogen wurde eine Haftstrafe des Amtsgerichts Kassel von sieben Monaten wegen Diebstahls, weil der Angeklagte einer Freundin 400 Euro gestohlen hatte. Mit dem Urteil entsprach das Gericht exakt dem Strafantrag von Staatsanwalt Andreas Hellmich. Verteidiger Stefan Adler hatte um ein mildes Urteil gebeten, aber keinen konkreten Strafantrag gestellt.

Von Volker Nies

Quelle: HNA

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