Spektakel der Mittelalterfreunde auf der Tannenburg

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Nentershausen. Andrea Tierbach trägt eine Brille. Ihre übrige Ausstattung mit Gewand und tönernem Trinkgefäß wirkt so, als stamme sie aus einem anderen Jahrhundert. Tierbach gehört zu einer Gruppe aus dem Rhein-Main-Gebiet, die das Leben der Merowinger im 7. Jahrhundert nachspielt.

In den Kochtopf überm offenen Feuer kommen keine Kartoffeln, denn die gab es damals in Europa noch nicht. Tierbach und ihre Freunde schlafen in Zelten aus weißem Leinen, das sie, gegen den Regen, mit essigsaurer Tonerde imprägniert haben.

Burgfest in Nentershausen

Auf der Wiese unterhalb der Tannenburg ist eine ganze Stadt aus weißen Zelten entstanden. Seit Donnerstag feierten Mittelalter-Fans aus ganz Deutschland dort zum 18. Mal ein großes Mittelalterfest.

Gestern mischten sich dann unter die „Gewandeten“, also die, die sich in Tuch, Gauklerkostüm oder Ritterrüstung geworfen haben, zahlreiche Besucher im modernen Alltagsdress. Und denen boten die Gewandeten ein großes Spektakel.

Im Innenhof der Burg drosch ein Schmied den Hammer aufs glühende Eisen, während die Funken davonflogen. Angela und Sergej Karpenko schauten zu, wie Michael Schubert in filigraner Feinarbeit eine Handspindel aus Buchenholz und Ton fertigte und anschließend vorführte, wie aus Wollhaaren ein Faden wird. Händler boten Schmuck und allerlei Utensilien aus Wolle und Leder an.

Da waren Ritter, die ihre Schwerter auf die Schilde ihrer Gegner krachen ließen. Alexa von Baumbach verkaufte den hungrigen Gästen Roggenfladen, gefüllt mit saftigem Honig-Kräuter-Krustenbraten, während die zarten Töne einer Harfe erklangen. Zwei Männer in Rüstung sorgten mit rauen Anweisungen voller unfeiner Ausdrücke dafür, dass am Eingangstor kein Stau entstand.

Der Vorhof der Burg wurde zum Schauplatz einer grausamen Szene: Einen irren und verwirrtten Bettler packten zwei Wachsoldaten und fesselten Hände und Kopf mit einem Prangerblock, bevor sie den Armen durch die Menge abführten. (zmy)

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