Spaß in den Tapetenwechseljahren: Maria Vollmer beim Kulturzug Bebra

Jeder zweite Satz ein Gag: Komödiantin Maria Vollmer sorgte bei ihrem Auftritt beim Kulturzug Bebra im Autohaus Krapf für gute Stimmung im Publikum. Foto: Apel

Bebra. Wenn es November wird, lädt der vor 20 Jahren gegründete Bebraer Kulturzug ins Autohaus Krapf ein. Auch ohne Vorhang ist der Saal voll. Diesmal ist die Kölner Komödiantin Maria Vollmer zu Gast.

Sie gibt, nein sie ist die agile Mittvierzigerin Marianne, und sie kommt mit einem Korb voll Krimskrams auf die Bühne. Aussortiertes aus dem Keller des Reihenhauses, in dem sie mit Ehemann Rainer und den beiden Söhnen wohnt. Es überrascht kaum, wenn sie erzählt, dass sie Vieles viel zu lange aufgehoben hat. Ihre gelben Schwimmflossen hatte sie noch nie an und Rainers Sportgeräte sind noch fast alle originalverpackt.

Marianne ist in den „Tapetenwechseljahren“, doch satt des zweiwöchigen Indien-Urlaubs müsse dafür jetzt das Reif-für-die-Insel-Schaumbad vom Drogeriediscounter reichen, klagt sie. Kein Wunder, dass sie sich regelmäßig mit „den Mädels“ trifft, um sich gemeinsam daran zu erfreuen, wie es anderen bei „Bauer sucht Frau“ ergeht, und von gut gebauten Bauarbeitern aus der Coca-Cola-light-Werbung zu träumen.

Lebensecht, rasant, mit einem Potpourri von Wort- und Liedspielereien spießt Maria Vollmer auf, wie „Middle-Ager“ von der eigenen Beerdigung träumen, wie sie nicht wissen, was sie essen sollen, wie auch ihr Leben vom „Diktaturgerät“ Smartphone („Das ist die Fortsetzung der Ehefrau mit anderen Mitteln!“), von Apps und Navis bestimmt wird - und wie Frauen Stress mit Shoppen bekämpfen. Fast schon genial, wie sie sich über die „Zurück-Schickeria“ lustig macht und den Abba-Welthit „Fernando“ umdichtet: „Ich bin Kundin bei Zalando, ich habe wieder mal die ganze Nacht mit Dir verbracht, Zalando, und das Beste ist, die Bank bezahlt, per Mastercard, Zalando …“. Riesenapplaus und viel Verständnis beim mittelalterlichen Publikum.

Im zweiten Teil karikiert Maria Vollmer den Trend zu alten Eltern und die Aktivitäten der Über-Siebzigjährigen („Die sind fit wie ein Zehnkämpfer nach einer Testosteron-Kur!“). Ernst und heiter wird es, wenn die Kinder streiten, wer die Mutter pflegen soll - bis diese mit dem Pfleger auf Weltreise geht.

Köstlich die Szenen, wie sich Rainer und Marianne im Baumarkt kennengelernt haben, wie Rainer Sport und Funktionskleidung entdeckt, Marianne „Power-Cooking“ betreibt und sie ihren „Sünde-, Sekt- und Sahneschnittchen-Tag“ erlebt. Alles in allem: ein stimm-, tanz- und wortgewaltiger Abend.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

Kommentare