Er sorgt für guten Sitz

Wochenend-Porträt: Pferdesattler Helge Hänning hat einen seltenen Beruf

Fingerfertigkeit gefragt: Hier näht Helge Hänning eine Strippe, also das Handende des Zügels, manuell an den Zügelgurt.

Rassdorf/Machtlos. Helge Hänning hat einen sehr stillen Arbeitsplatz.  Hänning geht in seiner Werkstatt in einem abgelegenen Anwesen, dem ehemaligen Kavaliershaus des Wildecker Schlosses zwischen Raßdorf und Machtlos, einem seltenen Beruf nach: Hänning ist Pferdesattler.

Hänning arbeitet meist im Stehen. Auf dem großen Arbeitstisch vor dem hageren Mann mit Pferdeschwanz liegen aus schwarzem Leder die Teile eines englischen Dressursattels. Hänning hat schon eine ganze Weile lang behutsam Watte mit einem Metallstab in das Polster gestopft. Jetzt nimmt er das Polster und massiert es mit kräftigen, großen Händen. Nicht nur der Raum ist ruhig, auch Hänning strahlt Ruhe aus. Und er arbeitet sorgfältig.

An den Wänden hängen zahllose Werkzeuge mit Holzgriffen in langen Reihen, einige Nähmaschinen, Fräsen und auch Schleifgeräte stehen da. Ein gutes Dutzend Pferdesättel warten übereinandergehängt auf Holzleisten und zeugen davon, dass Hänning viele Aufträge hat.

Hännings Arbeit beginnt fast immer im Stall. „Ich gucke das Pferd an“, sagt er, „Wie steht es da?“ Der Körper eines Pferdes verändere sich aus unterschiedlichen Gründen mit der Zeit, erklärt er. Dann passt der Sattel nicht mehr, und das Pferd entwickelt Blockaden. Die Aufgabe des Pferdesattlers ist, den Sattel dann anzupassen.

Die Entscheidung, diesen Beruf zu wählen, entstand, wie Hänning sagt, als „spontane Idee am Küchentisch, nach dem Mittagessen“ – weil die Ausbildung zum Pferdezüchter wegen seines Alters nicht infrage kam.

Da war Hänning 15. Ein halbes Jahr später war er in der Ausbildung zum Sattler, Raumausstatter und Polsterer. Nach fünfjähriger Gesellenzeit erlangte er den Meisterbrief. Diese Zeit „muss man haben“, sagt Hänning und ergänzt: „Viele Leute halten es nicht mehr für notwendig, Erfahrung zu sammeln.“

Im Jahr 2000 machte Hänning sich, gemeinsam mit Handwerksmeister Lars Wegner, mit der Manufaktur Tradere an diesem Standort selbstständig. Er lässt durchblicken, dass es nicht selbstverständlich ist, mit seinem Beruf die Existenz zu sichern. Deshalb hat Hänning sich spezialisiert auf das, was er am besten kann, und sich damit einen Namen gemacht – seine Kunden, berichtet er, rufen ihn aus einem Umkreis von 120 Kilometern.

www.tradere.de

Quelle: HNA

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