Solar-Strom aus Hessen für Afrika

Wirtschaftsminister Al-Wazir besuchte Kirchner Solar

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Vor den Solaranlagen: Christian Wahl, Geschäftsführer der Kirchner Solar Group, erklärte Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir die besondere Effizienz der neuen Photovoltaik-Module, in denen Tausende von Linsen eingearbeitet sind (im Hintergrund). Rechts Alheims Bürgermeister Georg Lüdtke, der den Minister unter anderem über den Weg der Gemeinde informierte, sich aus erneuerbaren Energien zu versorgen. Lüdtke erklärte auch das Prinzip der Bildung für Nachhaltigkeit in den Kindertagesstätten.

Heinebach. Dass ein mittelständisches Unternehmen aus Hessen die Geschicke in Dörfern in Afrika mit beeinflussen kann, hat Hessen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir am Mittwoch in Heinebach gelernt.

Er informierte sich bei der Kirchner Solar Group über Innovationen der Firma und  ihren Konsolidierungsweg nach Einbruch des Photovoltaik (PV)-Marktes. Zu Spitzenzeiten der Solarbranche hatte Kirchner 240 Mitarbeiter, jetzt sind es noch 50 in Heinebach, weltweit aber 200. Im vergangenen Monat konnten drei Mitarbeiter eingestellt werden, berichtete Geschäftsführer Christian Wahl, der den Gast über das Firmengelände führte und neue Produkte vorstellte.

Darunter ist auch das Solargenset, das zur Elektrifizierung afrikanischer Dörfer eingesetzt wird: Unter einem PV-Dach befindet sich ein Conttainer der mit Wechselrichtern und Speichern ausgestattet ist. Dorfbewohner können Strom aus dieser Anlage über ein Prepaid-Kartensystem kaufen und somit elektrische Geräte betreiben.

Ankerkunden sind Mobilfunkunternehmen, denn auch in Afrika sind die Menschen kaum noch ohne Smartphone unterwegs. Weil die Geräte aufgeladen werden müssen, haben die Mobilfunkunternehmen ein erhöhtes Interesse an dem Container aus Alheim und engagieren sich stark finanziell. 75 000 Euro kostet ein Container in der Standardausführung. „Wir müssen etwa zehn bis zwölf Jahre Strom verkaufen, bis wir die Investition raushaben“, erklärte Christian Wahl.

Die Elektrifizierung hat aber auch zur Folge, dass in den Dörfern Kleingewerbebetriebe entstehen, Landwirtschaft ist nicht mehr alleinige Einnahmequelle. Außerdem wird weniger Holz verbrannt, die ökologisch wichtigen Wälder müssen nicht massenhaft abgeholzt werden - gekocht wird elektrisch. Der Anschluss an das Elektrizitätsnetz könne auch dazu beitragen, die Landflucht zu verringern, hieß es bei Kirchner. In Uganda betreibt das Unternehmen ein Solar-Ausbildungszentrum mit anerkannter Berufsschule.

Einig war sich Minister Al-Wazir mit Christian Wahl, dass die Photovoltaik inzwischen zu Unrecht als Kostentreiber der Energiewende dargestellt werde. Die Vergütung sei inzwischen nicht mehr hoch. Angesichts des deutlichen Einbruchs beim Zubau von Photovoltaikanlagen müsse bei der nächsten Novelle des Erneuerbare Energien-Gesetz überprüft werden, wie die offensichtlichen Fehler der letzten Reform korrigiert werden können, sagte Al-Wazir. Sonnenenergie sei nach wie vor ein wichtiger Baustein der Energiewende.

Quelle: HNA

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