„Verführen Sie doch bitte meine Frau“ nimmt vor allem im zweiten Teil Fahrt auf

Skurrile Liebesgeschichte im Mafia-Milieu

Verführen Sie doch bitte die Frau meines Sohnes: La Mamma (Viola von der Burg) beauftragt Roberto (Andreas Sindermann), Camillas Treue auf die Probe zu stellen. Fotos: Sennewald/nh

Bad Hersfeld. Spaghetti und Amore: Ein Hauch Italien umgibt das Schloss Eichhof als Außenspielstätte der Bad Hersfelder Festspiele dank der Mafia-Komödie „Verführen Sie doch bitte meine Frau“ von Tobias Goldfarb, Laura Quarg und Lisa Quarg.

Liebe, Zweifel und Intrigen im Mafia-Milieu, darum geht es in dem Stück, das auf der „Novelle vom grübelnden Fürwitzigen“ des spanischen Schriftstellers Miguel de Cervantes Saavedra basiert. Die beiden Weiberhelden Anselmo und Lotario lassen es sich in Florenz gut gehen, bis sich Anselmo in Camilla verliebt, die Tochter des Großherzogs von Siena, auf dessen Vermögen sie es eigentlich abgesehen hatten.

Alles könnte so schön sein, wären da nicht die Zweifel Anselmos, ob seine Camilla ihm auch wirklich treu ist. Denn wie meint auch seine strenge Frau Mutter: Schöne Frauen sagen nicht nein.

Was zunächst ein wenig eindimensional und wie ein Kasperletheater im Zeitraffer beginnt – ein Plan, ein Blick, eine Hochzeit – zieht das Publikum schließlich mit skurrilen Figuren, komischen Einfällen, Musik und Tanz in den Bann. Spätestens, wenn Anselmo Lotario beim Zerteilen einer Leiche darum bittet, die Treue seiner Frau zu testen, springt der Funke über. Die Qualität der Darsteller ist es, die die eher leichten Eichhof-Stücke zu etwas Besonderem machen.

Viola von der Burg als tiefdekolletierte la Mamma, Paul Walther als verliebter, aber zweifelnder Anselmo, Benjamin Mährlein als dessen im Zwiespalt befindlicher Kumpel Lotario, Pia-Micaela Barucki als treue Camilla und Janna Horstmann als fesche Zofe Leonella. Nicht zu vergessen: Andreas Sindermann, der mit gleich drei Rollen im Gedächtnis bleibt – als Großherzog von Siena, als Auftrags-Verführer und Auftrags-Killer Roberto Battistone sowie als Kellner.

„Verführen Sie doch bitte meine Frau“ nimmt vor allem im zweiten Teil Fahrt auf, und das rasante Geschehen gipfelt schließlich in einer ordentlichen Prügelei und einem Duell zwischen la Mamma und dem Großherzog.

Musik und Tanz ergänzen das Schauspiel, Highlights sind etwa die Duette von Lotario und Leonella oder das schlüpfrig-unbeholfene Gedicht von Roberto. Auch die Statisten bereichern einmal mehr das Geschehen.

Das findet zwar zentral auf der Bühne statt, doch die Spielstätte wird wie üblich samt Haus und Hof genutzt. Das kreative Bühnenbild ist mit witzigen Details gespickt – so wird die Tischdecke kurzerhand zum Hochzeitskleid. Ein Augenschmaus sind die fast schon übertriebenen opulenten und farbenfrohen Kostüme von Ausstatter José Luna.

Und am Ende sind es ausgerechnet die Spaghetti, die Anselmos Mutter im Hals stecken bleiben ...

Für die Zuschauer war es ein vergnüglicher Abend, rasant und überraschend. Das Premierenpublikum spendete lauten Applaus, von „ok“ bis „sensationell“ reichten die Kommentare beim Verlassen der Spielstätte. Für einige Aufführungen gibt es noch Karten.

Von Nadine Maaz

Quelle: HNA

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