Bis zu 82 Prozent mehr Kosten

„Das sind uns die Kinder wert“: Alheim lehnt drastische Erhöhung der Kita-Gebühren ab

Erhöhung der Kita-Gebühren um 11 Prozent: Das kommt auf die Eltern zu, die ihre Kinder in den beiden Kitas in Heinebach oder in der Kita in Baumbach (im Bild) betreuen lassen. Foto:  V. Fischer

Alheim. Die Gemeindevertreter in Alheim sind sich einig: An einer Erhöhung der Kita-Gebühren führt kein Weg vorbei. Doch zum Wohle der Familien werden die Gebühren nur moderat erhöht - im Gegensatz zur Empfehlung des Landes Hessen.

Um den Kindergartenetat der Gemeinde Alheim steht es schlecht. Im Haushaltsplan wird für dieses Jahr ein Fehlbedarf von knapp 750.000 Euro erwartet. Vergangenes Jahr waren es noch 110.000 Euro weniger. Das Land Hessen empfiehlt, die Kita-Gebühren zu erhöhen. Doch statt einer Erhöhung um durchschnittlich 66 Prozent, wie vom Land gewünscht, werden Alheims Eltern von Kleinkindern jetzt durchschnittlich nur elf Prozent mehr zahlen müssen.

Das haben die Gemeindevertreter in Alheim am Dienstag beschlossen. Damit setzt die Gemeinde ein deutliches Zeichen: Sie will eine familienfreundliche Kommune bleiben, auch wenn die Ausgaben der Gemeinde für Kinderbetreuung nicht minimiert werden können.

Variante Land Hessen

Bei der Sitzung herrschte Konsens: Alle Fraktionen waren sich einig, dass die vom Land Hessen vorgestellte Variante völlig abwegig ist. Diese sieht eine Drittel-Regelung vor, nach der die Gebühren zu je einem Drittel von Land, Kommune und Eltern gezahlt werden sollen.

Für Eltern eines Kindes über drei Jahre, das ganztags (neun Stunden) betreut wird, wären das nach Drittel-Regelung etwa 133 Euro im Monat mehr, statt 161 müssten sie dann 294 Euro zahlen. Bei diesem Beispiel wären es sogar 82 Prozent mehr, da die Betreuungsstunden je nach Tageszeit unterschiedlich abgerechnet werden. Stunden am Nachmittag kosten die Eltern mehr.

Mit der SPD sei die Regelung des Landes Hessen nicht umzusetzen, sagte der Fraktionsvorsitzende Udo Aschenbrenner entschieden. Kindererziehung zählt seiner Meinung nach zur Bildungspolitik. Wenn dieser Auftrag dem Land beziehungsweise der Kommune unterliege, dann müssen das beide auch tragen - und nicht auf die Schultern der Eltern abwälzen. „Das sind uns die Kinder wert“, schloss er seine Rede. CDU und FDP schlossen sich an.

Variante Gemeinde Alheim

Der Haupt- und Finanzausschuss hatte im Vorfeld zwei Varianten ausgearbeitet, die sich an der Satzung der Rotenburger Kindertagesstätten orientierten. Im Vergleich zur bisherigen Alheimer Kita-Gebührenordnung gebe es bei beiden Varianten eine durchschnittliche Erhöhung der Gebühren um 31 beziehungsweise 15 Prozent. Doch die SPD warf kurz vorher noch eine weitere Variante ins Rennen, die auch den Zuschlag erhielt.

Ein wichtiger Punkt des SPD-Vorschlags: Anders als bisher werden Betreuungsstunden am Morgen, Mittag und Nachmittag immer gleich viel kosten. So wird die Betreuung ab dem 1. September dieses Jahres stündlich abgerechnet.

Für ein Kind über drei Jahre, das ganztags versorgt wird, ergibt sich damit eine Gebühr von 180 Euro im Monat, also 19 Euro beziehungsweise 12 Prozent mehr als bisher. Für diesen Vorschlag gab es von allen Fraktionen Zustimmung, und auch die Zuschauer der Sitzung - meist Eltern - applaudierten, als die Vertreter sich darauf einigten.

Zum Abschluss gab es aber doch noch mahnende Worte vom CDU-Fraktionsvorsitzenden Dieter Schönborn: Er erinnerte daran, dass die Kita nur ein Teil vom Haushalt sei und es noch viele andere Baustellen gebe, die des Geldes bedürften. Die beschlossenen elf Prozent seien daher nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Zukunft werde zeigen, wie lange es bei diesem Prozentsatz bleiben könne.

Das sagt: Bürgermeister Georg Lüdtke

Kommune tut viel für Familien

Alheims Bürgermeister Georg Lüdtke begrüßte die moderate Kita-Gebührenerhöhung. Das zeige ein weiteres Mal, dass die Kommune viel für Familien mit Kindern tue. Und gerade deshalb verstehe er nicht, warum es immer noch Mitbürger gebe, die der Meinung seien, „dass Eltern beziehungsweise Alleinerziehende ungebührlich von Kommunen belastet werden“. 

Um das zu widerlegen, listete Lüdtke auf, wie viel die Kommune in die nächste Generation investiert: Demnach wird Alheim in diesem Jahr über 1,3 Millionen Euro für Kinder und Jugendliche ausgeben, um die laufenden Bildungs- und Betreuungsangebote zu finanzieren.

Quelle: HNA

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