Mit dem Bebraer Verein Eisenbahn-Nostalgiefahrten in der Lok nach Eisenach

Unterwegs im Führerstand einer Lok - eine Reportage

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Fast wie im Lieblingssessel: Eisenbahnfan Gernot Willrich genießt die Fahrt im Führerraum, während am Fenster die Landschaft vorbeigleitet.

Bebra. Zwischendurch - aber immer nur ganz kurz - lehnt Gernot Willrich sich bequem zurück, als säße er in seinem Lieblingssessel, während die Landschaft vorbeigleitet. Willrich ist Eisenbahnfan und war Lokführer der Diesellok, die Gäste in historischen Waggons nach Eisenach beförderte.

Der Bebraer Verein Eisenbahn-Nostalgiefahrten hatte dazu eingeladen. Willrichs Blick richtet sich konzentriert durch das trapezförmige Fenster auf die Gleise und die in dichter Folge auftauchenden Signale, während er die Eigenschaften der Lok erläutert: 1961 für die Bundesbahn gebaut, wiegt das Monstrum 54 Tonnen. Etwa 800 Stück der V 100 entstanden, multifunktional eingesetzt für Personen-Schnellzüge und den Gütertransport. Einige wenige sind bis heute im Einsatz. Das Modell, das jetzt den Weiteröder Kirchturm rechts liegen lässt, ist inzwischen im Besitz eines Vienenburger Eisenbahnvereins, dem auch Willrich angehört.

Nadel auf 100

Die Tacho-Nadel steht starr auf der 100, während sich die Lok die Hönebacher Höhe hinaufquält, um dann in den Hönebacher Tunnel einzufahren. Der Motor sorgt für eine heimelige Wärme im kleinen Führerraum.

Die Instrumente, Hebel, Schalter sind aus schwerem Metall, robust, fast unzerstörbar. Der Lack ist vielerorts den Berührungen vieler Hände in Jahrzehnten gewichen, aber der Lok scheinen solche kosmetischen Feinheiten angesichts ihrer strotzenden Kraft völlig gleichgültig.

Sie wiegt 54 Tonnen: Die Diesellok der Baureihe V 100 wurde 1961 für die Bundesbahn gebaut.

Ein Büchlein verrät Gernot Willrich, welche Bahnhöfe folgen und wo welche Geschwindigkeit gilt. Seine Aufmerksamkeit gilt den Anzeigen, den Signalen - und den Sicherheitseinrichtungen: In halbminütigen Abständen betätigt er ein Fußpedal und bestätigt der Lok damit, dass er wach ist und aufmerksam. Signale erwidert er mit der Bewegung eines Hebels, der Wachsamkeitstaste. Andernfalls würde der Zug automatisch gestoppt.

Die Fahrt von Bebra aus dauert nur 35 Minuten. Kurz vor der Ankunft greift Willrich einen schwarzen Hörer: „Meine Damen und Herren, nächster Halt ist Eisenach, Ausstieg in Fahrtrichtung links. Wir wünschen einen schönen Aufenthalt.“

Dampflok fiel kurzfristig aus

Für die Fahrt nach Eisenach war ursprünglich der Einsatz einer Dampflokomotive geplant. Viele Mitreisende reagierten enttäuscht, als am Bahnhof Bebra stattdessen eine Diesellok einfuhr. Ein Schaden an der Dampflok hatte die Verantwortlichen kurzfristig gezwungen, eine andere Lösung zu finden.

Tobias Mühlbauer vom Verein Eisenbahn-Nostalgiefahrten bedauerte den Ausfall und kündigte an, der Verein werde sich Gedanken über eine Entschädigung machen. Möglicherweise würden die Reisenden eine Ermäßigung für eine kommende Fahrt erhalten, kündigte er an.

Im Juni und im Oktober sind dann wieder Fahrten mit Dampfloks geplant.

Fotos: Eisenbahn-Nostalgiefahrt nach Eisenach

Eisenbahn-Nostalgiefahrt nach Eisenach

Von Achim Meyer

Quelle: HNA

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