45-Jähriger aus Bebra

Er sieht sich als verfolgte Unschuld - Mann muss in Haft

Bad Hersfeld. Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Angeklagter bei der Zeitung anruft und auf seine Verhandlung aufmerksam macht. Großes Unrecht würde geschehen, hatte der 45-Jährige aus Bebra angekündigt.

Dazu Protokollfälschung und ein Rachefeldzug gegen seine Person.

Konkret ging es vor Strafrichterin Silvia Reidt um eine Autofahrt ohne Führerschein, um Trunkenheit im Straßenverkehr und vier Schwarzfahrten mit der Cantus-Bahn – also nicht gerade Schwerverbrechen.

Dass die angeklagten Taten dennoch ein gewisses Gewicht erhielten, ergab sich aus der ellenlangen Vorstrafenliste des Bebraers: seit Anfang der 90er Jahre stand er wegen Verkehrsdelikten, Verstößen gegen des Betäubungsmittelgesetz und Körperverletzung immer wieder vor Gericht und befindet sich aktuell nur unter Bewährung auf freiem Fuß.

Sich selbst sieht der 45-Jährige dabei als verfolgte Unschuld: dass er im vergangenen Juni in Rotenburg einem Polizisten auffiel, der privat unterwegs war und wusste, dass der Bebraer keine Fahrerlaubnis besaß, nahm der Angeklagte persönlich übel. Die anschließende Verfolgung durch eine Streife hielt er für überzogen, zumal sie mit Blechschaden an der Autotür endete. Und dass ihm die Geschichte vom tatsächlichen Fahrer des Autos, der kurz zuvor und unbemerkt von der Polizei ausgestiegen war, niemand glauben mochte, nahm der Bebraer als weiteres Indiz für eine Verschwörung gegen seine Person. Erschwerend kam hinzu, dass er unter Drogen am Steuer gesessen hatte. Ecstasy, Opiate und Kokain wurden festgestellt, knapp oberhalb der Grenzwerte.

Plumpe Fälschungen

Dass er beim Bahnfahren zwischen Kassel und Bad Hersfeld viermal mit plump gefälschten Tickets erwischt worden war, räumte er zwar ein, doch auch hier war er sich keiner Schuld bewusst: die Fahrkarten hatte er angeblich von einem Kumpel gekauft und nicht weiter angeschaut.

Für Richterin Reidt war diesmal allerdings das Ende der Fahnenstange erreicht: Zwar wurde das Verfahren wegen der Schwarzfahrten im Hinblick auf die gewichtigere Anklage eingestellt, doch unter dem Strich traf den Bebraer diesmal die Härte des Gesetzes: Sechs Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung waren sogar noch zwei Monate mehr als von der Staatsanwaltschaft beantragt. „Sie nehmen das überhaupt nicht ernst,“ hielt die Richterin dem Angeklagten in der Urteilsbegründung vor.

Auf dessen Einsicht ist allerdings nicht zu zählen: der 45-Jährige wird in die Beruifung gehen.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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