Senioren greifen immer häufiger zur Flasche

Hersfeld-Rotenburg. Alkoholsucht wird zunehmend ein Problem unter Senioren. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Patienten über 65 Jahre, die in hessischen Krankenhäusern wegen alkoholbedingten psychischen Störungen behandelt wurden, laut Techniker Krankenkasse um 76 Prozent an.

Auch in den AHG Kliniken Richelsdorf und Wigbertshöhe in Bad Hersfeld ist jeder dritte Patient, der wegen eines Alkoholproblems behandelt wird, zwischen 50 und 80 Jahre alt. „Den Senioren fehlt der Sinn im Leben. Sie sind alleine und haben das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden“, berichtet Dr. Heike Hinz, Chefärztin der Kliniken der Allgemeinen Hospitalgesellschaft (AHG). Die Fachklinik Wigbertshöhe habe 2001 ein Konzept entwickelt, das Senioren vom Alkohol wegbringen soll. In zwei Gruppen werden dort 50- bis 65-jährige sowie 60- bis 80-jährige alkoholabhängige Patienten behandelt.

„Der Körper älterer Menschen ist sensibler. Sie können dann nicht schlafen und benötigen Medikamente. Weil die Menschen heute älter werden, ermöglichen die Kassen eine Behandlung gegen die Abhängigkeit“, erklärt Hinz. Ab dem 65. Lebensjahr habe man früher nicht mehr gehandelt. Doch heute wären die lebenslang nötigen Medikamente teurer als ein Entzug. Einsamkeit, körperliche Leiden und ein schrumpfendes Umfeld seien häufige Gründe für die Alkoholerkrankung, die sich über Jahre hinweg entwickelt.

Im Beratungs- und Behandlungszentrum für Abhängigkeitserkrankungen in Bad Hersfeld sind die Zahlen der Alkoholkranken ab dem Alter von 55 Jahren zurückgegangen. Hatten im Jahr 2010 noch zehn Prozent ein Alkoholproblem, so sind es 2011 nur sechs Prozent der Hilfesuchenden gewesen. „Ob es sich um eine Ausnahme oder einen Trend handelt, werden wir sehen“, sagt Christa Tschan, Leiterin des Beratungszentrums.

Quelle: HNA

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