Der Turn- und Sportverein Bebra feiert Jubiläum – im Mai 1887 fing alles an

Seit 125 Jahren sportlich

Der TSV-Vorstand im Jubiläumsjahr: Vordere Reihe: 2. Vorsitzender Holger Maus, 4. Vorsitzender Karl Trispel, 1. Vorsitzender Peter Kehm, Ehrenvorsitzender Heinz Bode, 3. Vorsitzender Matthias Hohmann, Schriftführer Roger Kaltenbach, 1. Kassierer Thilo Holzhauer. Mittlere Reihe: Abteilungsleiter Senioren Günther Kinscher, Abteilungsleiterin Musikzug Andrea Kaiser, Abteilungsleiterin Frauenturnen Anja Schmidt, Jugendleiterin Nicole Schöße, Abteilungsleiter Judo Dirk Krapf. Hintere Reihe: Abteilungsleiter Tennis Hans-Jörg Oswald, 2. Kassierer Horst Langguth, Beisitzer Kurt Grenzebach, Beisitzerin Gisela Seidel, Abteilungsleiter Handball Dieter Schweitzer, Abteilungsleiter Altersturnen Willi-Erich Knierim (jeweils von links). Foto: nh

BEBRA. Der Initiative des 27-jährigen, aus Rotenburg stammenden Schuhmachermeisters Heinrich Ebert ist es zu verdanken, dass am 17. Mai 1887 im damaligen „Deutschen Haus“ der Turnverein Bebra aus der Taufe gehoben wurde. Was von 15 Bebraer Bürgern – Männern natürlich, denn Frauen hatten damals noch nicht viel zu sagen – initiiert wurde, entwickelte sich dank der Begeisterung und des Engagements von immer mehr Mitgliedern prächtig, überdauerte zwei Weltkriege und steht heute da als 125 Jahre junger Turn- und Sportverein einer 1225 Jahre alten Stadt.

Wie der langjährige Vereinschronist Karl König in der 1987 erschienenen, 136 Seiten starken Festschrift schreibt, gelang es den Turnern nach großen Anfangsschwierigkeiten, sich auf Kreis-, Bezirks- und Gauturnfesten zu qualifizieren. Schon 1895 hatte der Verein eine stattliche „Zöglingsriege“ und drei Jahre später eine „Männerriege“, die in einer kleinen Halle hinter der damaligen katholischen Schule in der Kasseler Straße trainierte. Zwei der Männer, die Turner Albrecht und Bierwirt, kehrten 1898 als Sieger vom im benachbarten Rotenburg veranstalteten Turnfest des Oberfulda-Werra-Rhön-Gaues zurück. 1902 richtete der Verein auf dem Gelände des „Kriegergartens“, also da, wo heute die TSV-Turnhalle steht, sein erstes Gauturnfest aus. Sechs Jahre später erkämpfte sich Otto Plappert beim deutschen Turnfest in Frankfurt am Main einen Platz in der Liste der Sieger.

Vom Kuhrasen zur Kampfbahn

Zum Geräteturnen kamen im Laufe der Jahre immer mehr leichtathletische Disziplinen wie Laufen, Springen und Werfen dazu. Das veranlasste den Vorstand, nach besseren Übungsmöglichkeiten zu suchen, die auch bald gefunden wurden.

Schon 1910 schloss der damalige Vorsitzende Conrad Pippert einen Vertrag zur unentgeltlichen Überlassung eines 7500 Quadratmeter großen, völlig versumpften Geländestreifens am damaligen „Kuhrasen“, auf dem ein Turn- und Spielfeld – die spätere Biberkampfbahn – angelegt werden sollte. 700 Quadratmeter davon wurden dem Verein zum Bau einer Turnhalle übereignet, aber der Bau ließ auf sich warten: Der 1. Weltkrieg unterbrach alle Aktivitäten.

Am 21. Februar 1919 ging es mit 148 Mitgliedern weiter, eine Damenriege wurde ins Leben gerufen, und nach intensiven Planungen fand am 26. Juni 1923 der erste Spatenstich für die TSV-Halle statt.

Die auch damals schon herrschenden schwierigen finanziellen Verhältnisse – für 500 Steine mussten im Herbst des Jahres eine Million Mark auf den Tisch gelegt werden – sorgten jedoch dafür, dass sie erst am 6. Mai 1928 eingeweiht werden konnte. Dennoch beflügelte sie das Interesse am Verein, der sich, weil die meisten Mitglieder Eisenbahner waren, ab 1929 „Reichsbahn-Turn- und Sportverein“ nannte.

1930 gründete der spätere Oberturnwart August Kaiser eine Schülerabteilung – er selbst bewährte sich acht Jahre später beim Deutschen Turnfest in Breslau im gemischten Zehnkampf und belegte bei erheblicher Konkurrenz den 42. Platz. Gleichschaltung, 2. Weltkrieg und Beschlagnahmung der TSV-Halle durch die amerikanischen Besatzungsbehörden führten dann erneut zum Stillstand des Vereinslebens.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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