Die 88-jährige Rotenburger Ehrenbürgerin verbringt ihren Lebensabend im Mutterhaus

Schwester Elfriede verlässt Rotenburg 

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Rotenburger Ehrenbürgerin: Schwester Elfriede verlässt die Stadt, in der sie Jahrzehnte als Gemeindeschwester und als „Hortnerin“ gearbeitet hat.

Rotenburg. Die Ehrenbürgerin verlässt die Stadt Rotenburg: Schwester Elfriede Hilgenberg wird zu Pfingsten ins Mutterhaus nach Kassel ziehen, in das Kurhessische Diakonissenhaus.

Von 1964 bis zu ihrem Ruhestand 1990 arbeitete sie als Gemeindeschwester in Rotenburg. Von 1953 bis 1961 hatte sie den damaligen Kindergarten St. Georg geleitet.

Kein lebendes Denkmal

„Das Mutterhaus ist meine letzte Station“, sagt die 88-jährige Diakonisse. Und sie gibt gern zu, dass sie dem Umzug mit gemischten Gefühlen entgegensieht. Da ist zum einen die Aussicht auf ein behütetes Leben, auf sichere Versorgung und Betreuung im Alter. Da ist aber zum anderen auch der Abschiedsschmerz. „Rotenburg ist mir zur Heimat geworden, hier war mein Zuhause, hier kenne ich so viele Menschen.“

Und die Menschen kennen sie – sei es aus Kindertagen, als Schwester Elfriede den Kindergarten geleitet und in der Kirchengemeinde mitgewirkt hatte. Sei es, weil sie oder ihre Angehörigen irgendwann einmal von Schwester Elfriede gepflegt worden waren. Sie war und ist eine Institution in der Stadt – so sehr, dass die Bronzestatue einer Diakonisse vor der Jakobikirche im Volksmund Schwester Elfriede genannt wird. „Aber ich bin doch kein lebendes Denkmal“, sagt sie. Die Statue zeige nur, dass die Diakonissen immer zum Rotenburger Stadtbild gehört haben.

Schwester Elfriede hat drei Generationen von Rotenburgern begleitet. Sie kennt unzählige Familiengeschichten. „Eine Gemeindeschwester ist immer eine Familienschwester“, sagt sie. Mit der Pflege und Behandlung eines Patienten sei die Arbeit nicht getan. Angehörige müssten beraten werden, auch viel Seelsorge habe sie betrieben: „Man spürt, wenn die Menschen sich etwas von der Seele reden wollen, wenn sie Trost brauchen“, sagt sie.

Jemand, der helfen kann

Auch nach dem Ende ihres Berufslebens blieb sie Ansprechpartnerin für viele Menschen. „Die Tracht, die ich immer trage, zeigt: Hier ist jemand, der helfen kann.“ Entsprechend oft hätten sich aus kurzen Begegnungen oft lange, tiefsinnige Gespräche auf der Straße entwickelt. Fragt man sie nach einer Bilanz, sagt sie: „Ich würde den Weg immer wieder gehen.“ Sie habe ihre Arbeit als Auftrag von Gott angesehen.

Ihre Familie habe sie immer unterstützt, erzählt sie, die in Melsungen aufgewachsen ist. Nach dem frühen Tod der Eltern musste sie sich mit ihrer Schwester um den kleinen Bruder kümmern. Schon deshalb hatte sie das Mutterhaus nach Rotenburg geschickt, in die Nähe von Melsungen. Heute sieht sie ihren Bruder als ihre große Stütze an: „Er hilft mir immer, auch bei meinem Umzug nach Kassel.“

Von Silke Schäfer-Marg

Quelle: HNA

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