Grimm-Schüler begeistern mit Brecht-Stück

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Wem gehört das Kind: Die Dienerin Grusche (Louisa Klöpfel, links) und Natella Abaschwilli (Julia Schäfer) streiten sich vor Gericht um Michel (Saskia Vöckel).

Rotenburg. Als das Licht ausgeht und die Waschweiber auf die Bühne treten, um mühsam ihre Wäsche im kalten Wasser zu waschen, verstummt auch das letzte Getuschel in der Aula der Jakob-Grimm-Schule. Das Theaterstück „Der kaukasische Kreidekreis“ nach Bertolt Brecht beginnt.

Plötzlich hüpft Michel (Saskia Vöckel) mit einer roten Kordhose zwischen den Waschweibern hindurch. Jeder kennt seine Geschichte, nur er selbst nicht. Aber Michel bringt die Waschweiber dazu, ihn über sein Herkunft aufzuklären.

Nun geht es auf der Theaterbühne zurück in eine Zeit, die der Krieg bestimmt und wo sich die Mächtigen nehmen, was sie wollen. In diesen unmenschlichen Verhältnissen handelt die Dienerin Grusche (abwechselnd dargestellt von Louisa Klöpfel, Julia Möller und Kira Sandrock) menschlich und kümmert sich um Michel, das Kind von Natella Abaschwili (Julia Schäfer), der Frau des Gouverneurs.

Mit ihrem authentischen Spiel bringen die insgesamt 18 Jugendlichen der Theater-Arbeitsgemeinschaft ihre Zuschauer zurück in die damalige Zeit. Wer nicht weiß, das es sich um Schüler der Jakob-Grimm-Schule handelt, der könnte denken, hier wären Schauspiel-Profis am Werk.

Müheloser Rollenwechsel

Die Schüler der Klassenstufen sieben bis elf wechseln scheinbar mühelos die Rollen. Das fällt besonders bei Julia Schäfer ins Auge, die einerseits die arrogante und mächtige Natella Abaschwili spielt und gleich darauf in die Rolle eines Obdachlosen schlüpft.

Trotz der ernsten Thematik gibt es für die Zuschauer immer wieder etwas zu lachen. Zum Beispiel, wenn der Soldat mit dem hinkenden Bein (Luisa Klodt) den Dienst schwänzt und sich lieber eine Gewürzgurke schmecken lässt.

Auch als Richter Azdak, ein einfacher Mann aus dem Volk mit einer Schwäche für Wein, ein Urteil fällen soll, lachen die Zuschauer von Herzen. Doch der auf den ersten Blick etwas einfältig wirkende Richter entpuppt sich als clever und nutzt einen Kreidekreis, um zu ergünden, wer nun die bessere Mutter für das Kind ist.

Tosender Applaus

Gebannt verfolgen die Zuschauer die Aufführung bis zum Schluss, die immer wieder durch Zwischensequenzen von den Waschweibern und Michel unterbrochen wird. Dann gibt es tosenden Applaus der begeisterten Zuschauer in der Aula der Jakob-Grimm-Schule.

Wer die erste Aufführung verpasst hat, kann sich am Mittwoch, 23. Mai, und am Freitag, 25. Mai, jeweils um 19. 30 Uhr in der Aula der Jakob- Grimm-Schule vom kaukasischen Kreidekreis nach Brecht faszinieren lassen. Der Eintritt ist frei.

Von Magdalena Dräger

Quelle: HNA

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