In Rockensüß ist eine Gruppe von Kopf bis Fuß aufs Mittelalter eingestellt

Schneidern für den Markt

Zurück ins Mittelalter: Zur Gruppe aus Rockensüß gehören (hinten von links) Hilmar Bettenhausen, Helmut Reker, Cornelia Krall, Margrit Ströter und Gerda Hollstein sowie (vorne von links) Sabine Zieseniss und Edith Auerswald. Fotos. Verena Koch

Rockensüß. Locker lehnt Mönch Hermann am Kaminofen. Auf dem Sofa sitzen drei Landfrauen in mittelalterlicher Gewandung. In dem Arbeitszimmer von Designerin Sabine Zieseniss liegt der Duft von Kaffee. Die Stimmung ist ausgelassen.

„Es ist fast alles fertig“, sagt Sabine Zieseniss während sie Margrit Ströter das weiße Kopftuch bindet. Seit Monaten bereitet sich die Mittelaltergruppe aus Rockensüß auf den Markt am Wochenende in Cornberg vor.

„Ich war aufstrebende Designerin. Ich wollte nach Mailand und Paris“, sagt Sabine Zieseniss. Während ihres Studiums gab es für sie nichts Langweiligeres als Kostümgeschichte. „Jetzt sieht das etwas anders aus“, sagt die Korsettschneiderin und lacht.

Denn: Gerade kann sie sich nichts Schöneres vorstellen, als in ihrem Arbeitszimmer in Rockensüß zu stehen und Roben aus dem Mittelalter zu schneidern. Und das ist mitunter gar nicht so einfach. Schließlich hat es sich die neunköpfige Mittelaltergruppe zum Ziel gesetzt, die ländliche Bevölkerung aus dem letzten Viertel des 13. Jahrhunderts möglichst genau darzustellen.

Das Rätsel um das Drunter

„Was Adelige und Geistliche getragen haben, darüber findet man relativ viel“, sagt Sabine Zieseniss. Dabei greift sie auf Zeichnungen und Beschreibungen von mittelalterlichen Mönchen über die Obrigkeit zurück. „Da wissen wir auch sicher, was sie drunter hatten“, sagt Sabine Zieseniss.

Schwieriger wird es bei der Kleidung von normalen Bürgern und Bauern. „Da ist bei der Recherche viel Sherlock Holmes mit bei“, sagt sie. In Internetforen und Büchern ist die Gruppe deshalb stets auf der Suche nach Beschreibungen. „Wir tüfteln viel“, sagt Sabine Zieseniss.

Alles reine Handarbeit

Knapp 60 Stunden Handarbeit stecken in einem Gewand. Mit dazu gehören neben Holzschuhen, Kopfbedeckung und dicken Wollsocken auch Holzlöffel und Umhängetasche aus Leinen. Was Sabine Zieseniss in ihrer Tasche auf dem Markt dabei hat, entspricht allerdings nicht ganz dem Mittelalter: Portemonnaie, Feuerzeug und Zigaretten stecken darin. „Nur das Handy hat in der Tasche nichts zu suchen“, sagt sie. Das nimmt sie zwar für Notfälle mit, lässt es aber gut verstaut in einer Kiste.

Margrit Ströter freut sich schon seit Wochen auf den Mittelalter-Markt. Sie ist mit 74 Jahren das älteste Mitglied der Gruppe und kann es kaum erwarten in die Rolle einer Landfrau zu schlüpfen. „Das Leben auf dem Markt ist einfach richtig toll“, schwärmt sie.

Da macht es ihr auch nichts weiter, dass sie sich mit dem weißen Kopftuch etwas alt vorkommt. „Weil alle Haare aus dem Gesicht müssen, fallen die Falten mehr auf“, sagt die 74-Jährige und zwinkert.

Mit Modenschau

Am Wochenende schlägt die neunköpfige Gruppe aus Landfrauen, Mönch, Ritter und Bauer ihre Zelte im Cornberger Steinbruch auf. Dann präsentiert sie das Ergebnis monatelanger Handarbeit auch bei einer Modenschau. Weitere Artikel

Von Verena Koch

Quelle: HNA

Kommentare