Hagen Hubert Möckel hadert als Kontrabass-Spieler mit Leben und Liebe

Schmachtend ganz hinten

Er wirbt um Verständnis: Hagen Hubert Möckel erzählte dem Publikum im alten Rathaus Bebra von vergeblichen Bemühungen um Aufmerksamkeit. Foto: Apel

Bebra. Wie kann ein in der letzten Orchesterreihe sitzender Kontrabassist eine Sopranistin erobern? Die von seiner Liebe nichts weiß, und die er auch mit noch so schönem Spiel nicht auf sich aufmerksam machen kann?

Hagen Hubert Möckel aus Halle, den Bebraer Kulturzug-Fans seit seiner Ringelnatz-Hommage in guter Erinnerung, versucht das Kunststück der Verführung im nicht ganz ausverkauften Alten Rathaus bei der Saison-Eröffnung des „Kulturzuges“ auf die Reihe zu kriegen.

In Anlehnung an den Einakter „Der Kontrabass“ des Schriftstellers Patrick Süskind, der nicht nur den Welterfolg „Das Parfüm“, sondern auch Drehbücher für erfolgreiche Fernsehfilme geschrieben hat, monologisiert er zwei Dreiviertelstunden lang über Freud und Leid eines sich noch als gutaussehend empfindenden, verbeamteten und trotzdem frustrierten 35-jährigen Musikers.

Das beginnt mit einem nuancierten Vortrag über sein viersaitiges Instrument, das er als unverzichtbar und „Kraftquell, aus dessen Lenden musikalischer Samen quillt“, beschreibt: „Beethoven hat mehrere Klaviere zusammengeschlagen, aber nie einen Kontrabass!“

Doch schon bald stellt der in Bademantel und Pantoffeln agierende Biertrinker, der bei einer Oper zwei Liter Flüssigkeit verliert, was er dann „nebenher“ und weil er sehr oft einsam ist, ausgleichen muss, fest: „Kontrabass-Spielen ist reine Kraftsache, mit Musik hat das nichts zu tun.“ Er schimpft, dass der „Waldschrat von Instrument“ in seiner schallgedämmten Wohnung gerade dann, wenn er mal mit einer Frau allein sein will, „blöd rumsteht“: „Sie haben ständig das Gefühl, er lacht über sie! Außerdem ist er ekelhaft zu spielen und er ruiniert die Finger: Eines Tages erschlage ich ihn!“

Aber da ist noch Sarah, die Sopranistin, die es zu erobern gilt. Durch besonders schönes Spielen gelingt es nicht, weil es ihr einfach nicht auffällt. Bleibt nur noch die in triebhaften Phantasien geborene Idee, bei der Festspielpremiere der Wagner-Oper „Rheingold“, bei der es so schön nach frischgewaschenen Frauenrücken riecht, aus dem Orchestergraben heraus „Sarah“ zu schreien. Ob der sich jetzt in Schale werfende Protagonist das traut, bleibt offen. Es ist halb acht, er muss zum Dienst.

Anhaltender Applaus für feinen Humor, hintersinnige Gesellschaftskritik, manchmal liebevollen, manchmal wüsten Umgang mit einem verkannten Instrument - und auch für eine anstrengende, überzeugende schauspielerische Leistung.

Von Wilfried Apel

Quelle: HNA

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