Stroke Unit am Rotenburger HKZ hat es zur Zertifizierung geschafft

Schlaganfall hat Vorrang

+
Freuen sich über die Zertifizierung (von links): Ärztlicher Leiter Dr. Andreas Frank, die Qualitätsmanagementbeauftragte des HKZ, Manja Mohr, und Stationsleiter Peter Salzmann. Am Eingang zur Stroke Unit erinnert eine Tafel daran, wie wichtig der Faktor Zeit bei einem Schlaganfall ist. 

Rotenburg. Vor zweieinhalb Jahren hat das Herz- und Kreislaufzentrum Rotenburg (HKZ) eine neurologische Akut-Station eröffnet, die auf die Behandlung von Schlaganfällen spezialisiert ist.

Dass diese Stroke Unit (Schlaganfalleinheit) gute Arbeit leistet, hat das HKZ nun schriftlich: Die Station wurde nach den Vorgaben der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) zertifiziert.

Damit ist das HKZ nach Angaben der DSG eine von nur drei Kliniken im Umkreis von 100 Kilometern, deren Stroke Unit diese Auszeichnung hat. Die anderen sind in Kassel und Mühlhausen. „Wir sind extrem stolz darauf, dass wir das in kürzester Zeit geschafft haben“, sagt der Chefarzt der Neurologie am HKZ, Dr. Andreas Nachtmann. Seine Abteilung wird in diesen Tagen zehn Jahre alt.

Die Erfahrungen mit Schlaganfällen, die die Ärzte und Therapeuten in der neurologischen Rehabilitation gewonnen haben, seien dem schnellen Aufbau der Akut-Einheit zugute gekommen. Auch der Chef des HKZ-Verwaltungsrats, Peter Klufmöller, sagt: „Dass bei uns Akut-Abteilung und Reha zusammengehören, ist eine besonders glückliche Fügung.“

Andreas Nachtmann

Schon 2012 hatte sich das HKZ um die Zertifizierung bemüht. Die Qualitätsstandards stimmten, sagt Qualitätsmanagementbeauftragte Manja Mohr. Aber die Station konnte noch nicht die geforderte Fallzahl vorweisen. 250 Schlaganfälle müssen in der Stroke Unit jährlich behandelt werden. Das gewährleiste, dass die Mitarbeiter genug Erfahrung bei der Therapie haben.

Außerdem müssen mindestens 25 Patienten per Lyse behandelt werden. Das Medikament löst Blutverklumpungen im Gehirn wirkungsvoll auf, sei aber auch gefährlich, wenn es nicht binnen viereinhalb Stunden nach dem Anfall eingesetzt wird, sagt Nachtmann. Deshalb sei der Zeitfaktor bei einem Schlaganfall so wichtig.

Sonderstellung im Haus

Deshalb hat die Stroke Unit eine Sonderstellung im HKZ. Die Vernetzung mit anderen Abteilungen wie der Radiologie ist eng. Wird ein Patient mit Schlaganfallverdacht angeliefert, hat er unbedingten Vorrang, sagt der ärztliche Leiter der Station, Dr. Andreas Frank. Sein Team besteht aus 25 Mitarbeitern - Ärzte, Pfleger und Therapeuten -, die sich um die bis zu vier Patienten auf zwei Zimmern kümmern. Das Personal ist rund um die Uhr einsatzbereit.

Neben der akuten medizinischen Behandlung gehört auch die therapeutische Betreuung durch Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten sowie Psychologen zur Arbeit der Stroke Unit - und sie wird bei einer anschließenden Rehabilitation am HKZ meist von den gleichen Personen weitergeführt. „Das alles zeigt, wie leistungsfähig diese Einheit geworden ist“, lobt HKZ-Geschäftsführer Ulrich Hornstein. (mcj)

Woran man einen Schlaganfall erkennen kann, lesen Sie in der gedruckten Freitagausgabe der HNA Rotenburg-Bebraer Allgemeinen.

Quelle: HNA

Kommentare