Erster Anlauf vor Schöffengericht

Lolls-Keilerei ließ sich noch nicht aufklären

Bad Hersfeld. Dass ein Angeklagter vor Gericht die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurückweist und etwas völlig anderes erzählt als die Polizei und die Zeugen, ist nichts Ungewöhnliches.

Doch im Prozess um eine heftige Schlägerei, die sich während des Lollsfestes 2011 vor dem Auto-Scooter zugetragen hatte, bekam das Schöffengericht am Bad Hersfelder Amtsgericht von ernst zu nehmenden Beteiligten zwei dermaßen unterschiedliche Tatversionen präsentiert, dass der Verdacht aufkam, es könnte sich tatsächlich um zwei verschiedene Ereignisse gehandelt haben, aus denen im Lolls-Trubel dann ein Vorfall wurde.

Der Reihe nach: Angeklagt ist ein 23 Jahre alter Hersfelder, der am späten Abend des 15. Oktober im angetrunkenen Zustand einen 18-Jährigen aus Haselstein, der auf dem Boden liegend von zwei anderen Schlägern traktiert wurde, mehrfach gegen den Kopf getreten haben soll. Das Opfer musste nachher mit Gehirnerschütterung und anderen Verletzungen ins Krankenhaus und erinnert sich heute an nichts Substantielles mehr.

Der Dicke und der Blonde

Identifiziert wurde der Hersfelder im Gericht von einem Polizisten, der die Szene gemeinsam mit zwei aus Richtung Lollsfeuer kommenden Kollegen beobachtet hatte. Der Treter wurde gegen seinen anfänglichen Widerstand – auch der Polizist bekam noch etwas ab – festgenommen und zur Lolls-Polizeiwache am Marktplatz gebracht. Da war aber der Zeuge von der Polizei nicht mehr dabei, denn er kümmerte sich um den Verletzten, einen auffallenden schlanken Mann mit dunklen Haaren.

Der Angeklagte räumte ein, zu dieser Zeit auf dem Rummel in eine Schlägerei verwickelt gewesen zu sein. Allerdings habe ihn ein bis heute unbekannter „Dicker“ provoziert und auch als Erster zugeschlagen. In die Prügelei habe sich dann noch ein „Blonder“ eingemischt, ehe zwei Polizisten der Auseinandersetzung ein Ende gemacht und ausgerechnet ihn mitgenommen hätten. Zugetragen habe sich diese Schlägerei allerdings nicht am Auto-Scooter, sondern auf der Rampe des damals gegenüberliegenden Fahrgeschäfts.

Die Version des Angeklagten wurde in den wesentlichen Punkten von mehreren Zeugen aus dem Umfeld des Hersfelders bestätigt. Zu diesem Zeitpunkt – so die Beobachter – sei es in diesem Bereich zu vier, fünf gleichzeitig ablaufenden Handgreiflichkeiten gekommen, an denen sich annähernd 20 Personen beteiligt hätten.

Eine seinerzeit nüchterne Studentin und ein nicht ganz so nüchterner Azubi hatten versucht, ihre Wahrnehmungen in Bezug auf den Angeklagten in der Polizeiwache mitzuteilen, waren dort jedoch abgeblitzt. Stattdessen mussten sie dort verwundert zur Kenntnis nehmen, dass der ebenfalls anwesende unbekannte „Dicke“ von einer Beamtin den guten Rat erhielt, sich ein Taxi zu rufen und nach Hause zu fahren.

Weitere Zeugen vonnöten

Für Richter Michael Krusche und die Schöffen war die Geschichte so nicht aufzuklären. Bei der Fortsetzung des Verfahrens am 5. Oktober werden weitere Zeugen gehört.

Von Karl Schönholtz

Quelle: HNA

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