500 Euro Spenden werden benötigt

Kirchengemeinde Gilfershausen sammelt für Restaurierung ihres Abendmahlskelches

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Der wertvolle Abendmahlskelch der Gilfershäuser Kirchengemeinde soll restauriert werden. Auf dem Foto hält Küster Otto Schmidt den Kelch in der Hand, neben ihm stehen Kunsthistoriker Dr. Götz J. Pfeiffer (Mitte) und Albert Schmidt, der sich als Hobby-Historiker und Chronist in der Geschichte des Dorfes und seiner Kirche gut auskennt. 

Gilfershausen. Mit diesem Abendmahlskelch haben schon viele Generationen in der alten Wehrkirche von Gilfershausen das Abendmahl gefeiert. Jetzt soll der Kunstschatz aus dem 17. Jahrhundert, ein Werk des Kasseler Goldschmieds Johannes Jehner, restauriert werden.

Zur Finanzierung der 1000 Euro teuren Restaurierung benötigt die Gemeinde 500 Euro an Spenden, weitere 500 Euro übernimmt die Landeskirche. Für den kommenden Sonntag, 7. August, lädt die Gemeinde zum traditionellen Sommergottesdienst ein, bei dem der Kunstreferent der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Dr. Götz J. Pfeiffer, über die Geschichte des Kelchs und die geplante Restaurierung sprechen wird.

Für Küster Otto Schmidt ist es eine Herzensangelegenheit, dass den Menschen in der Gemeinde bewusst wird, welchen Schatz sie haben.

An einem sicheren Ort

Als er 1992 gemeinsam mit seiner Frau Gisela das Amt übernahm, hatte er sich den Kelch genauer angeschaut und dafür gesorgt, dass er an einem sicheren Ort aufbewahrt wurde. „Mir war sofort klar, dass er wertvoll ist“, berichtete er.

Wie richtig er mit seiner Einschätzung lag, bestätigte Kunsthistoriker Dr. Pfeiffer, der seit Anfang vergangenen Jahres das Kunstgut in allen evangelischen Gotteshäusern des Kirchenkreises Rotenburg inventarisiert hat.

Der Kelch ist aus Silber, mit einer dünnen Goldauflage. „Er ist in einem guten Zustand. Man merkt, dass er immer in Gebrauch war und sorgfältig gepflegt wurde“, berichtete Pfeiffer. Allerdings weist der Kelch im mittleren Teil eine Reparaturstelle auf, die wohl nicht mehr lange halten würde. Denn es wurde mit Zinn gelötet, das die anderen Materialien angreift.

Außerdem wurde der Kelch anders wieder zusammengesetzt als im Originalzustand. Dieser soll nun von Kunstgoldschmied Alexander Schulgin aus Bad Arolsen wieder hergestellt werden.

Laut Pfeiffer ist der schlicht gehaltene Kelch wegen seines großen Gefäßes ein typischer evangelischer Abendmahlskelch. Am Rand des blütenförmigen Fußes trägt er winzig klein das Meisterzeichen von Johannes Jehner und das Kasseler Stadtwappen.

Die Gemeinde muss vor über 300 Jahren viel Geld für das sakrale Gefäß ausgegeben haben: Etwa drei Jahresgehälter eines höheren Beamten von damals, so vermutet man, denn Silber und Gold seien nach dem Dreißigjährigen Krieg extrem knapp und teuer gewesen sein. Nach der Restaurierung soll mit dem Kelch wieder das Abendmahl gefeiert werden - wie schon in über 300 Jahren zuvor.

Hintergrund

Der Sommergottesdienst in der Gilfershäuser Kirche mit Pfarrer Axel Dück ist auch Taufgottesdienst. Er beginnt am kommenden Sonntag, 7. August, um 13.30 Uhr. Mitwirken werden der Singkreis des Kirchspiels Solz sowie die Kindergottesdienst-Kinder. Dr. Götz J. Pfeiffer wird anschließend über den Kelch informieren. Außerdem gibt es Kaffee und Kuchen im Dorfgemeinschaftshaus, wo auch eine Fotoausstellung zu diesem Thema zu sehen sein wird. Eine Spendendose steht bereit.

Zur Person

Goldschmied Johannes Jehner wurde um 1683 als Sohn eines Goldschmieds vermutlich in Allendorf an der Werra geboren. 1652 begann er seine Lehre beim Kasseler Goldschmied Christoph Bucher. Später wurde er Mitarbeiter bei Goldschmied Johannes Ries und 1666 Bürger von Kassel. Er heiratete 1667 die Tochter von Ries, von den acht Kindern wurden drei Söhne ebenfalls Goldschmiede. Ab 1682 arbeitete Johannes Jehner als Hofgoldschmied, von 1684 bis 1690 war er Meister der Goldschmiede-Gilde. Er verstarb vor 1705. Etwa 30 seiner Werke sind heute bekannt, unter anderem Kelche, Teller und Kannen für das Abendmahl, aber auch weltliche Kunst, zum Beispiel Tischleuchter und Becher mit Jagdmotiv.

Von Susanne Hefter

Quelle: HNA

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