Schatz der guten Worte soll Arbeit in Altenzentren verändern

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Gute Worte sammeln: Werden bei alten Menschen schöne Erinnerungen geweckt, leben sie auf. Zum Frühling gehört für einen der Bewohner des Altenzentrums „Verliebt sein.“

Obersuhl. Den richtigen Ton zu treffen und die richtigen Worte zu wählen ist im Umgang mit alten Menschen enorm wichtig. Deshalb schickt die Awo Nordhessen ihre Mitarbeiter zu speziellen Schulungen.

Unsere Worte können kleine Wunder vollbringen: Sie können ein Lächeln auf das Gesicht eines anderen Menschen zaubern. Sie können aber auch tief verletzen. Aus diesem Grund schult die Arbeiterwohlfahrt (Awo) Nordhessen Mitarbeiter in Altenzentren, damit sie bewusst mit der Sprache umgehen und so den Bewohnern, Angehörigen, Gästen und Kollegen zeigen, dass sie sie wertschätzen.

„Als Erstes haben wir angefangen, Stress-Worte aus unserem Arbeitsalltag zu streichen“, berichtet Sprachlotsin Antonia Steidler. Die Altenpflegerin ist für die Umsetzung des Projekts im Zentrum in Obersuhl verantwortlich. Jetzt stehen „müssen“ und „schnell“ auf der Streichliste.

„Ich bringe Sie mal um die Ecke“ wird ersetzt durch „Ich begleite sie zur Toilette“. Auch den Satz „Ich lege schnell Herrn Müller um“, der im Pflegebereich zum Alltags-Slang gehört, wird man nicht mehr hören.

Es werden bewusst auch positive Worte gesammelt. Die Mitarbeiter achten wieder darauf, die Bewohner mit Namen anzusprechen. Sie lernen auch, einfach mal still zu sein und zuzuhören.

Für die Teilnehmer der Fortbildung ist klar: Mit der Sprache verändert sich auch die Haltung, und das wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden der Bewohner aus. Die Arbeit an sich ändert sich nicht, aber sie findet in einer anderen Atmosphäre statt. Und so wird der Umgang mit den Senioren auch leichter.

Wie die Bewohner des Altenzentrums auf die neuen Sprachgewohnheiten reagieren und wie viele Zentren im Kreis mitmachen, lesen Sie in unserer gedruckten Freitagausgabe.

Von René Dupont

Quelle: HNA

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