Der KBI sagt bei 3:0 ade

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Offizieller Abschied: Jürgen Weingarten (Mitte) mit rechts Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt, links Dieter Pfaff (Leiter Brandschutz und Rettungswesen) , dahinter links der 1. Kreisbeigeordneten Elke Künholz und Bürgermeister Manfred Koch (Kirchheim). Foto: Schankweiler-Ziermann

Hersfeld-Rotenburg. Hätte sich die Verabschiedung von Jürgen Weingarten, dem obersten Feuerwehrmann im Kreis, in die zweite Halbzeit des WM-Spiels Deutschland gegen Portugal hingezogen - unsere Nationalmannschaft hätte womöglich noch mehr Tore geschossen.

Die Treffer begleiteten die Ansprachen, und Weingarten selbst verkündete schließlich das 3:0, bevor in der zweiten Halbzeit die versammelten Feuerwehr-Führungskräfte, Bürgermeister und weitere Gäste sich dem spannenden Spiel und dem Büfett widmen konnten.

Die Arbeit des Kreisbrandinspektors (KBI) sei anspruchsvoll, sei eine Herausforderung, sagte Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt, und erinnerte vor allem an den tragischen Brand in Ersrode im Jahr 2000. Auch der Gefahrgutunfall acht Jahre später auf der Autobahn 5 bei Kirchheim samt einer zehnstündigen Sperrung ist bis heute in lebhafter Erinnerung.

Fast 18 Jahre, genauer sind es 6482 Tage, war Weingarten der oberste Brandschützer, verlässlich, gradlinig, zielstrebig und aufgeschlossen - so beschrieb der Landrat den scheidenden KBI. Er sei die personifizierte Einsatzbereitschaft und habe sich bis auf Landesebene mit seinem vorbildlichen Einsatz einen Namen gemacht, sagte Schmidt.

Zur Terminwahl erklärte er, als man die zeitliche Überschneidung mit dem WM-Spiel bemerkte hatte, habe es schon 40 Zusagen gegeben.

Die klare Linie von Weingarten würdigte der Brandschutzdezernent beim RP, Erwin Baumann, der das silberne Brandschutzverdienstzeichen überreichte. Weingarten habe das Feuerwehrvirus, meinte Personalratsvorsitzender Gerhard Eckstein. Er kenne ihn nur in Uniform. Die Feuerwehr sehe vor dem Einsatz auch nicht auf die Uhr, scherzte der Kirchheimer Bürgermeister Manfred Koch und endete mit dem 2:0 für Deutschland.

Für die Gemeindebrandinspektoren blickte Thomas Schneemilch (Kirchheim) auf die vielen Einsätze zurück und bescheinigte Weingarten: „Du warst sehr oft mit draußen.“ Jetzt könne er den Meldeempfänger zur Seite legen und durchschlafen. Jürgen Jacubowski von der Autobahnpolizei meinte, das Feuer in Weingarten werde so schnell nicht ersticken, und Elke Künholz, Erste Kreisbeigeordnete, schenkte ihm ein kleines Löschfahrzeug LF 8. Die Floriansmedaille habe er ja schon, stellte Werner Bähr vom Kurhessisch Waldeckschen Feuerwehrverband und KBI in Schwalm-Eder fest, und übergab eine Flasche Böddiger Berg, Honig und Ahle Wurst.

Jürgen Weingarten (62) geht auf eigenen Wunsch in den Ruhestand. Die Entscheidung sei nicht leicht gefallen: „Die Feuerwehr war mein Leben.“ Man habe sich zusammen gefreut und zusammen gelitten, sagte der oberste Feuerwehrmann im Kreis. „Ersrode muss man nicht haben“, meinte er in Erinnerung an den Brand im Jahr 2000, als vier Kinder starben. Weingarten dankte allen Mitstreitern, auch dem DRK, dem THW, der Polizei und vielen anderen sowie ganz besonders seiner Frau, ohne die sein Einsatz nicht möglich gewesen wäre. Abschließend erzählte er die Geschichte von den Hennen und dem Hahn, der verschwindet, und endete: „Ich habe gerne im Landkreis gekräht.“ (ank)

Quelle: HNA

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